Kultursommer mit Vokalensemble an Totenkirche

Singin’ in the Rain – und zwar fantastisch

Unerschrockenes Publikum: Mit Regencape und Schirm ausgestattet, harrten die 110 Konzertgäste bis zum Ende aus.
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Unerschrockenes Publikum: Mit Regencape und Schirm ausgestattet, harrten die 110 Konzertgäste bis zum Ende aus.

Nein, ein Kultursommer war das nicht gerade, der A-cappella-Abend an der Totenkirche. Zwei Drittel des Konzerts sangen die fünf Jungs aus Hannover am Dienstag gegen den Regen an.

Treysa – Aber das Publikum ließ sich nicht unterkriegen und harrte bis zur letzten Zugabe aus – denn was Vocaldente auf der Bühne bot, war einfach zu gut, um früher zu gehen. Mit Medleys von Johnny Cash, Popmusik aus den Neunzigern, den Ärzten und Ohrwürmern wie „Rhythm of the Night“ begeisterten die Sänger auf ganzer Linie. A-Cappella-Art ist die selbsternannte Bezeichnung für das, was die fünf Hannoveraner mit ihrem aktuellen Programm „In The Air“ boten.

Mit Beatbox- und Percussionklängen intonierten Vocaldente einen Ohrwurm nach dem anderen.

Die fünf Musiker ließen keinen Zweifel, wie groß die Freude war, nach langer pandemiebedingter Auszeit endlich wieder auf der Bühne zu stehen. Und wenn es eine Erkenntnis aus den Folgen der Pandemie gibt, die aufgrund der Reisebeschränkungen dafür gesorgt hat, dass diesmal im Kultursommer mehr Künstler aus dem Inland auftreten denn je zuvor, dann die: Schön, dass wir sie endlich auch den Kultursommer erleben dürfen. Vocaldente aus Hannover – das sind Countertenor Ben Boresch, die Tenöre Tobek Kiel und Jakob Buch sowie Lars Unger (Bariton) und Tobias Pasternack (Bass). Fünf Sänger mit hervorragenden Stimmen, einer Menge Rhythmus im Blut und einer charmant-sympathischen Art, die die Zuhörer für das miese Wetter mehr als entschädigte und kein Orchester vermissen ließen.

Intelligente Rhythmuswechsel, ein unverwechselbarer Beatbox-Klang und clevere Tanzeinlagen zogen die 110 Besucher des schon seit Wochen ausverkauften Auftritts an der Totenkirche vom ersten Marvin-Gaye-Song bis hin zur Zugabe „Footloose“ von Kenny Loggins in den Bann. Federleicht wirkte es, wie die Sänger, die vor Corona schon durch Indien und China getourt sind, die Genres mixten, von fast geschrienem New Metal („Wake Up“) bis hin zur leichten Kost „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn“ im Stile der Comedian Harmonists.

Das Publikum hat vorgesorgt: Klappstühlt, Regencapes und Schirme

Auf Wunsch des Kultursommers war die Bühne diesmal im vorderen Bereich der Ruine unter den großen Bäumen aufgebaut, doch aufgrund des miesen Wetters kam der bei so manchem Weinfest an der Totenkirche verspürte Charme des Platzes kaum zur Geltung. Ein wetterbedingtes Ausweichen in die Stadtkirche wie in manchem Kultursommer-Jahr zuvor sei aufgrund der hohen Besucherzahl und den Corona-Auflagen nicht möglich gewesen, hieß es seitens der Stadt am Rande des Konzerts. Doch das Schwalmstädter Publikum hatte vorgesorgt, neben Klappstühlen auch Regencape und Schirm mitgebracht, und gab sich unerschrocken.

„Ach toll seht ihr aus, so schön zurechtgemacht in bella Plastik“ – die Konzertgäste kamen nicht umhin, dank der witzig-charmanten Ansagen über sich selbst lachen zu müssen. „Ihr seid das tapferste und tollste Publikum, das wir kennen“, lobte dann auch Bass Tobias Pasternack. Und als die Gruppe nach gut einer Stunde schließlich den Udo-Lindenberg-Klassiker „Hinter’m Horizont geht’s weiter“ als letzte Zugabe sang, hatte sich auch der Himmel über der Totenkirche längst wieder beruhigt – kräftiger Applaus. (Kerstin Diehl)

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