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Schwalm: Spenden statt wegwerfen

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Christa Friedrich, Elke Rönneper und Heike Quehl (von rechts) nehmen die Lebensmittelspenden für die Schwälmer Tafel entgegen. Diesmal brachten die Spender besonders viele Zwetschgen und Gurken vorbei.
Christa Friedrich, Elke Rönneper und Heike Quehl (von rechts) nehmen die Lebensmittelspenden für die Schwälmer Tafel entgegen. Diesmal brachten die Spender besonders viele Zwetschgen und Gurken vorbei. © Philipp Knoch

Hobbygärtner ächzen derzeit. Die Obsternte steht an oder ist schon in vollem Gange und viele wissen nicht mehr, wohin mit der reichen Ernte. Wir zeigen, was man mit dem Obst machen kann.

Schwalm - „Wir haben dieses Jahr ein sehr ertragreiches Obstjahr“, berichtet Guido Hahn vom BUND Schwalm-Eder Süd. Besonders Kirschen und Zwetschgen seien in diesem Jahr zahlreich aus Gärten und Wiesen geerntet worden. Die Apfelernte sei dieses Jahr besonders arbeitsintensiv. Äpfel seien im Durchschnitt kleiner, dafür seien die Bäume voller.

Der heiße Sommer habe den Obstbeständen nichts anhaben können, im Gegenteil. „Für das Obstjahr war der Sommer ideal, für die Nachhaltigkeit eher nicht so sehr. Wenn es den Pflanzen schlecht geht, versuchen sie sich zu vermehren. Sie blühten dieses Jahr also besonders gut“, erklärt der Fachmann. 2021 sei ein schlechtes Erntejahr gewesen. Daher sei 2022 ein ertragreiches Jahr, im nächsten Jahr müsse man wieder mit einer geringeren Ernte rechnen.

Die gepflückten Früchte müssen zeitnah verwertet werden. Natürlich kann man seine Gartenerträge selber essen, Marmelade kochen oder Kuchen backen. Aber schon bei zwei bis drei Obstbäumen ist das dieses Jahr kaum in Eigenleistung zu schaffen.

Tafeln freuen sich über Obstspende

Viele müssen ihr Obst entsorgen, weil sie es nicht rechtzeitig verarbeiten können und es verkommt. „An sich ist es schon richtig, die Früchte dem Biokreislauf über die Biotonne wieder zuzuführen“, heißt es von der örtlichen Grünsammelstelle. „Aber natürlich ist es schade, wenn noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden.“ Eine Alternative kann sein, aus seinen Früchten Saft herstellen zu lassen. Zum Beispiel Wagners kleine Kelterei in Gilserberg bietet an, dass aus den eigenen Äpfeln eigener Saft gepresst wird. Das Geschäft laufe dieses Jahr sehr gut, berichtet der Kelterer Heiko Wagner. „Ich bin zwei Wochen im Voraus ausgebucht, obwohl ich 1,5 Tonnen Äpfel am Tag verarbeiten kann.“ Die Saftausbeute könnte dieses Jahr zwar besser sein, dafür sei der Saft aus den kleineren Äpfeln süßer als gewöhnlich.

Der stadtbekannte Buschelbäcker aus Neukirchen, ansässig im örtlichen Edeka, hat ein ganz besonderes Angebot. Wenn man ihm entkerntes und gewaschenes Obst aus dem eigenen Garten vorbeibringt, backt er daraus leckeren Kuchen. „Das ist eher ein Entgegenkommen meinerseits, einfacher wäre es, wenn ich die Früchte über einen Händler beziehe“, berichtet der Buschelbäcker Klaus Bernhardt. Aber dieser Service hebe ihn von anderen Bäckern ab.

„Bevor die Früchte verkommen, nehmen wir sie gerne“, erzählt Ingela Rheinwald von der Schwälmer Tafel. Sie versorgt derzeit über 400 Menschen, und ist auf Spenden angewiesen. Hauptsache sei, dass das Obst noch genießbar ist. „Es muss nicht wie aus dem Bilderbuch aussehen. Kleine Druckstellen machen nichts. Aber sie sollten schon so sein, dass man sie selber noch essen möchte. Waschen muss man die Früchte vorher nicht.“ Die Tafel nimmt jedes Obst und auch Gemüse aus den örtlichen Gärten an. Dienstags oder donnerstags zwischen 9 Uhr und 11.30 Uhr kann man seine Ernte bei der Tafel in der Ernst-Ihle-Straße in Ziegenhain abgeben und für Bedürftige Gutes tun. Um Längen besser als es wegzuwerfen. (Philipp Knoch)

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