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Vor 50 Jahren startete die RAF ihre Mai-Offensive – Spurensuche in der Region

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Von: Matthias Haaß

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Zutritt verboten: Heute ist das Gelände des ehemaligen Steinbruchs aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die RAF-Terroristen ließ sich 1972 von Schildern nicht aufhalten und stahlen Sprengmittel.
Zutritt verboten: Heute ist das Gelände des ehemaligen Steinbruchs aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die RAF-Terroristen ließ sich 1972 von Schildern nicht aufhalten und stahlen Sprengmittel. © Harald Becker /Bernd Löwenberger

Ende Mai 2022 jährt sich zum 50. Mal die sogenannte Mai-Offensive der Roten Armee Fraktion (RAF).

Schwalmstadt – Ein Teil des Materials für die Sprengstoffanschläge der RAF stammte dabei wohl aus dem Schwalm-Eder-Kreis, genauer gesagt aus dem damaligen Steinbruch Nöll in Oberaula. Das bestätigt im HNA-Gespräch Hobbyhistoriker Heinz Herget.

Auftakt der RAF-Gewaltaktion war der Anschlag auf das Hauptquartier des V. Korps der US-Armee in I.G.-Farbenhaus in Frankfurt/M. Bei dem Terrorakt starb Oberstleutnant Paul A. Bloomquist, dreizehn Personen wurden verletzt. Bis zum 24. Mai folgten fünf weitere Bombenanschläge – darunter auch auf das Axel-Springer-Haus in Hamburg. Die RAF startete damit endgültig ihren bewaffneten Linksterrorismus und generierte sich als sogenannte Stadtguerilla.

Heinz Herget Hobbyhistoriker
Heinz Herget Hobbyhistoriker © Bernd Löwenberger

„Der Basalteinbruch im Nöll bei Oberaula“

Für eine kleine Chronik mit dem Namen „Der Basaltsteinbruch im Nöll bei Oberaula“ hat Herget auch zu dieser Episode in der Geschichte des Steinbruchs recherchiert. Dazu sprach er unter anderem auch mit einem Zeitzeugen: Fritz Weidemann. Weidemann habe im Steinbruch gearbeitet und die Tat entdeckt, berichtet Herget und erzählt, dass Weidemann dann später im Baader-Meinhof-Prozess auch als Zeuge aufgetreten sei. Offenbar habe sich die RAF ganz bewusst den Oberaulaer Steinbruch für den Sprengstoffdiebstahl ausgesucht. Der Platz sei einerseits abgelegen gewesen, liege aber andererseits zentral in Deutschland und verkehrsgünstig an der Autobahn.

Nachdem Mitglieder der RAF die Örtlichkeiten ausgekundschaftet hatten, erfolgte der eigentliche Einbruch und Diebstahl am 3. April 1972, „ein Ostermontag“, sagt der Hobbyhistoriker. Beteiligt war im Grunde die gesamte Führungsriege der Ersten RAF-Generation: Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe, Holger Meins und Klaus Jünschke.

Vier Menschen sind gestorben

Zum Zeitpunkt der Aktion in Oberaula vermutlich nur Sicherheitsorganen bekannt, sollten diese Namen nur wenige Monate später viele Menschen in der Bundesrepublik in Angst und Schrecken versetzen. Bilder der Gesichter fanden sich landauf, landab auf Fahndungsplakaten in Amtsstuben, Postämtern und Banken.

Insgesamt wurden bei der Maioffensive vier Menschen ermordet und 74 verletzt. Im Steinbruch Nöll richtete sich die Gewalt der Terroristen lediglich gegen Sachen. Nachdem die Gruppe in einer Werkstatt das passende Werkzeug gefunden hatte, brachen die Männer und Frauen die Pulverkammer auf und stahlen Sprengmittel. „Sieben Patronen Amongelit 22 Millimeter, 13 Momentzünder, 51 Millisekundenzünder (Zeitstufe 20 Millisekunden), außerdem 370 Meter Sprengschnur Dynacord und 187 8-Millimeter-Sprengkapseln“, heißt es dazu in dem Buch „Der Freiheit jüngstes Kind – 1968 in der Provinz: Spurensuche in Nordhessen“ von Johannes Grötecke und Thomas Schattner.

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