Hirtenhaus in Willingshausen: Seit 1978 ist das Schmuckstück auch Feriendomizil

Auf den Spuren der Maler

Willingshausen. Anka Becker und ihr Mann haben sich 1974 verliebt – ausgerechnet in ein baufälliges Fachwerkhäuschen in Willingshausen. Den Beckers ist es zu verdanken, dass ein liebevoll renoviertes, spätmittelalterliches Kleinod die Mitte des Malerdorfes schmückt.

Das Hirtenhaus ist seit 1978 ein gemütliches und urtümliches Domizil für Individualisten, die in bäuerlicher Idylle ihren Urlaub verbringen wollen. Verwaltet wird das 180 Quadratmeter große Fachwerkhaus von Gudrun Erbe und Ulli Becker-Dippel, den Töchtern von Anka Becker. „Das Haus sollte eine Art Altersversicherung sein“, erklären sie. Ein Herzenswunsch der Eltern sei es außerdem gewesen, regelmäßig die Künstlerstipendiaten dort unterzubringen.

Die Künstler haben im Hirtenhaus Spuren hinterlassen: Zeichnungen, Skizzen und Malereien. Die Geschichte des Dorfes atmet bewusst auch die Einrichtung. Der Onkel der Becker-Mädchen, Maler Günther Heinemann, stand bei der Auswahl der Möbel beratend zur Seite. Auf der Bank aus seinem Atelier können Feriengäste in der gemütlichen Stube mit den markanten Eichenbalken und den niedrigen Decken Platz nehmen, am alten Burschenschaftstisch rustikal speisen.

Holzhacken inklusive

Die Herdstelle in der Küche und der Kachelofen forderten schon so manchen Gast zu einer Tagesaufgabe heraus: dem Holzhacken und dem Entfachen des Feuers. „Darin liegt der Reiz – etwas selber tun zu müssen“, sagt Becker-Dippel. Das Hirtenhaus bietet sieben Menschen Platz. Die Atmosphäre des Hauses lockte besondere Gäste an: Maler Bruno Müller-Linow brachte einst einen jungen holländischen Musiker mit. „Ich erinnere mich genau an ihn, weil er in die Werkstatt platzte, als ich ein Klavier mit Bauernmalerei verzierte“, erzählt Gudrun Erbe.

Der junge Mann habe sich an das verstimmte Instrument gesetzt und ihm wunderbare Klänge entlockt. Müller-Linow hatte damals der Töpfermeisterin versichert: „Aus dem wird mal was Großes.“ Und tatsächlich: Jahre später sah Gudrun Erbe den Musiker von damals wieder – im Fernsehen. Es war André Rieu. „Neben Familien kamen immer auch viele Leute aus Künstlerkreisen ins Hirtenhaus“, sagt Ulli Becker-Dippel.

Ein Gast verbinde mit Willingshausen stets die Erinnerung „geborgen und satt“ gewesen zu sein. „Der Mann war im Krieg hier gelandet. Und auf den Dörfern gab es halt in dieser Zeit immer noch mehr zu essen als in der Stadt“, erklärt Becker-Dippel. Heute mieten Gäste das Haus durchschnittlich eine Woche. Die Kosten liegen pro Tag bei 50 Euro, Mindestmietdauer sind drei Tage. • Kontakt: ubede@aol.com

Von Sandra Rose

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