Michael Göbel lebt und arbeitet einen Sommer lang als Stipendiat in der Malerkolonie

Auf Spurensuche im Dorf

Zeichnungen und Skulpturen: Der Kasseler Künstler Michael Göbel bereitet derzeit in Willingshausen seine Ausstellung vor. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 23. September, in der Kunsthalle des Gerhardt-von-Reutern-Haus. Foto: Rose

Willingshausen. Beim Bäcker und beim Metzger wird man in Willingshausen stets freundlich gegrüßt. Das ist für Künstlerstipendiat Michael Göbel nichts Neues: „Ich bin eher ländlich aufgewachsen und wundere mich deshalb darüber nicht“, sagt er. Diesen Sommer verbringt der Kasseler Künstler im Hirtenhaus, bis zum 23. September. Dann wird die Ausstellung mit seinen dort entstandenen Arbeiten eröffnet.

Im Haus übt sich Göbel, wie er selbst sagt, in Demut. Einige Beulen hat er sich schon zugezogen – an den niedrigen Türstöcken. Der Stilmix im Haus gefällt dem Kasseler: „Aber es ist ganz anders als zuhause, da lebe ich in eher reduzierter Einrichtung“, verriet er.

Zeichnungen und Skulpturen

Reduziert sind auf den ersten Blick auch Göbels Arbeiten. Zumindest die auf Papier. Sie sind einfarbig. Marker in den hellsten Grautönen auf weißem Papier. „Einzelne Striche sind nicht sichtbar, das Motiv entsteht erst in der Fläche“, erklärte Göbel. Sein Thema sind Fluchtpunkte, Zeichnungen kombiniert mit Skulpturen, die zu dreidimensionalen Installation werden.

Michael Göbel geht es bei seinen Arbeiten nicht um den Kontrast. „Mein Thema ist das Individuum, das sich von der Gesellschaft abheben möchte“, verdeutlichte der Künstler. Verdeutlichen möchte er aber auch, dass das nur in einer Gesellschaft, einer „normalen Umgebung“, funktioniert.

Die Skulpturen fertigt Göbel im Atelier des Reuternhauses. Das Hirtenhaus ist dafür zu klein. „Ich sehe bei all meinen Arbeiten immer den Menschen, aber er taucht dann tatsächlich eher selten auf“, beschreibt Göbel seine Technik. Vielmehr seien es die Spuren, die wohl jeder irgendwo hinterlasse, die schlussendlich in der Installation zu entdecken seien.

Auf Motivsuche geht Göbel mit der Kamera. Er lichtet Alltägliches ab. Und beraubt die Dinge im Arbeitsprozess ihrer ursprünglichen Funktion.

Motiv: Sichtschutzwände

Auch in Willingshausen ist Göbel schon auf fotografische Entdeckungsreise gegangen: „Wer in private Gärten fotografiert, wird schnell bemerkt“, die Erfahrung hat der Künstler gemacht. Seine Lieblingsmotive sind Sichtschutzwände. „Die finde ich spannend. Auf der einen Seite lebt man hier im Dorf sehr offen, auf der anderen Seite versteckt man aber etwas“, meint er.

Konfrontiert man den Kasseler mit gängigen Künstlerklischees, muss er schmunzeln. „Jeder, der den Beruf ernsthaft betreibt, wird das Klischee des Bohemian nicht aufrecht erhalten können“, findet Göbel. „Auch Künstler können diszipliniert arbeiten.“

Davon können sich die Besucher seiner Ausstellung Ende September überzeugen.

Von Sandra Rose

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