Stefan Reitz über das Ende der Hospitalkonzerte

Hat jetzt wieder mehr Zeit für eigene Musikprojekte: Stefan Reitz. Er tritt für ein professionelles Kulturmanagement in Schwalmstadt ein. Foto: Decker

Treysa. Neun Jahre lang holte die „Musikinitiative Hospitalkonzerte – Neues in alten Räumen“ hochkarätige Musiker in die Schwalm.

Dominik Steegmüller und Thomas Bauser eröffneten die Reihe am 15. März 2008, Mulo Francel & Friends beendeten sie am 4. März diesen Jahres. Nach 35 Konzerten haben die acht Vereinsmitglieder entschieden, eine zeitlich nicht näher bestimmte Pause einzulegen.

„Der Aufwand ist privat nicht mehr zu schaffen“, sagte Stefan Reitz. „Damals dachten wir, es ist bequemer, die Künstler zu uns zu holen, als überall hinzufahren, doch mittlerweile ist die Organisation schon fast eine nebenberufliche Tätigkeit“, so der engagierte Musiklehrer. Termine müssten mit den Künstlern, der Stadt und dem Kulturamt koordiniert werden, die Homepage wolle gepflegt sein, die Werbung mit Plakaten, Flyern und Newslettern müsse nicht nur erstellt, sondern auch verteilt werden.

Am Vortag des Konzertes heiße es, die Kapelle mit Stühlen zu bestücken und den Vorraum von den dort stehenden Tischen zu befreien. Getränke und kleine Speisen wollen gekauft und transportiert werden und nach dem Konzert müsse alles wieder so gestellt werden wie zuvor, da die Kapelle ja offiziell als Standesamt diene, zählte Stefan Reitz einen Teil der Tätigkeiten auf. „Wir sind so erfolgreich geworden, dass Künstler uns anfragen, ob sie auftreten dürfen“, so der Vorsitzende.

Treysa sei in der Musikszene nicht nur ein akzeptierter, sondern ein beliebter Konzertstandort geworden. Wie es jetzt in der Stadt mit Blick auf die hochwertige Kultur weitergehen solle, da hätte Stefan Reitz schon einige Ideen. „Treysa braucht ein Kulturhaus, in dem größere Konzerte stattfinden können, wo Ausstellungen möglich sind, in dem sich Musikgruppen zum Üben treffen“, sagte Reitz. Die vorhandenen Räumlichkeiten wie das Haus für Gemeinschaftspflege und die Festhalle seien dafür ungeeignet, ist sich Reitz sicher. Und die Kapelle sei zu klein.

Kultur sei ein wichtiger Standortfaktor, Lebensqualität sei nicht nur von kommerziellen Faktoren, von Parkplätzen und Einkaufsmöglichkeiten, abhängig, sondern auch von den kulturellen Angeboten, deswegen müsse sich die Stadtplanung intensiv um den Kulturstandort kümmern. „Bisher hat die Stadt die Konzertanfragen an uns oder den Verein Kultur vor Ort weitergereicht“, so Reitz.

Der Mensch sei ein kulturgebundenes Wesen, müsse aber auch an die Kultur herangeführt werden. „Der Stadt fehlt auch eine kommunale Musikschule, in der schon Kinder mit Musik in Berührung kommen“, sagte der Musikliebhaber. Nur wer an hochwertige Kultur herangeführt werde, könne sie in seiner Güte auch schätzen. Für eine Kommune in der Größe Schwalmstadts sei ein professionelles Kulturmanagement unverzichtbar, um die Lebensqualität zu erhöhen.

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