Einzug ins Hirtenhaus: Daniela Witzel ist die 30. Künstlerstipendiatin

Stifte erzählen Geschichten

Drei Monate Willingshausen: Die neue Stipendiatin Daniela Witzel wurde Mitte März im Malerdorf empfangen. In den kommenden Wochen bereitet die Kasseler Künstlerin eine Ausstellung mit Bunt- und Bleistiftzeichnungen vor. Foto: Rose

Willingshausen. Im Ofen unterm Dach prasselt ein gemütliches Feuer. Auf der Staffelei steht eine noch unfertige Zeichnung. Über den Boden verteilt liegen großformatige Pappen, dutzende Buntstifte recken ihre farbigen Hälse aus einer schlichten Kunststoffbox. Daniela Witzel, die 30. Willingshäuser Künstlerstipendiatin, ist ins Hirtenhaus eingezogen. Drei Monate wird die 25-Jährige im Malerdorf leben und arbeiten.

Lässt sich gern überraschen

Die Kasseler Künstlerin wird sich in der Schwalm dem Zeichnen widmen. Dabei geht Witzel eine widersprüchliche Korrespondenz mit den Materialien ein. Der puristische Umgang mit Blei- und Buntstiften täuscht zunächst über die starke Bildsprache hinweg. Denn ihre Zeichnungen erzählen Geschichten. Witzel vermischt Motive, die sie sieht. Und solche, die ihr ihre Fantasie erzählt. Witzel zeichnet intuitiv: „Wenn ich das fertige Bild schon im Kopf hätte, hätte ich keine Lust mehr, es zu zeichnen“, sagt sie. „Ich lasse mich vom Prozess des Denkens gern noch selbst überraschen.“

Die Kasselerin denkt ihre Bilder immer zu Ende: „Da lebe ich schon ein wenig das Künstlerklischee“, erzählt sie. Wenn die Farbe fließe, dann gerne auch mal bis zwei Uhr nachts. Ihre Geschichten sammelt die junge Frau in der Umgebung. Die Landschaft, das Dorf, unverwechselbare Motive der Schwalm inspirieren sie zu den Zeichnungen. Auch die Willingshäuser selbst werden sich in ihren Bildern wiederfinden. „Viele Motive, die ich hier finde, wirken wie Elemente aus dem Märchen“, sagt sie. „Man hat beim Rundgang den Eindruck, die Zeit sei stehen geblieben“, erklärt Witzel.

Notizen als Gedankenstützen

Damit ihr die Zeit keine Ideen raubt, skizziert die Künstlerin auch im Freien. „Oder ich mache mir bei Gesprächen oder Wanderungen Notizen“, sagt sie. Am liebsten zeichne sie aber direkt vom Kopf in die Hand aufs Papier. Beim Format lässt sich Daniela Witzel ungern festlegen. Ebenso bei der Farbigkeit ihrer Illustrationen. „Ich benutze allerdings immer ein und denselben Hautton. Er ist für mich mit allem Menschlichen verknüpft“, erläutert die 25-Jährige. Alle Zeichnungen fordern den Betrachter heraus. Denn die Elemente gehen scheinbar seltsame Dialoge miteinander ein, verschmelzen in bizarren Formen oder grellen Szenen. Zu keinem der Bilder wird es einen erläuternden Text geben. Und das ist auch gut so, findet die Künstlerin. „Meine Geschichte muss nicht unbedingt die der Besucher sein.“

Für Daniela Witzel ist es die zweite Einzelausstellung. Bereits in Hamburg waren Werke der Kasselerin zu sehen.

Von Sandra Rose

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