Jahreskarte kostet Schüler bis zu 800 Euro, gefahren werden muss dann aber privat

Stillstand am Nachmittag

Schulleiter Frank Siesenop und die Elternbeiratsvorsitzende des Schwalmgymnasiums Anette Schmidt wünschen sich, dass künftig auch nach 17 Uhr noch ein Bus von der Schule aus fährt. Foto: Rose

Treysa/Steinatal. Für die Schüler der Schwälmer Gymnasien beginnt der Tag mitunter schon sehr früh. Morgens müssen die jungen Leute häufig frühe Busfahrzeiten weit vor Schulbeginn in Kauf nehmen, um pünktlich zu Unterrichtsbeginn vor Ort zu sein. Dass die Jugendlichen dann auch noch nach zehn Stunden Unterricht ohne eine Busverbindung nach Hause dastehen, ärgert viele.

Das Problem betreffe die Oberstufenschüler, weil sie ohnehin, und das sei im Schulgesetz so verankert, keinen Anspruch auf Kostenerstattung ihrer Busfahrkarten hätten. „Der Kreis sieht sich deshalb vermutlich auch nicht in der Verantwortung, die Beförderung sicherzustellen“, ist die Elternbeiratsvorsitzende des Schwalmgymnasiums Anette Schmidt überzeugt.

Wie in Treysa haben sich auch die Schüler und Eltern der der Melanchthon-Schule Steinatal selbst geholfen. „Die Heimfahrten am Nachmittag wurden dann einfach privat organisiert“, berichtet Iris Köhler, die sich als Mitglied des Elternbeirats um Fragen des Schülerbeförderung und Bussicherheit kümmert. „Bei uns besteht sogar das Problem, dass freitags nach 15 Uhr kein Bus mehr fährt. So kommen nicht nur Oberstufenschüler, sondern auch Jüngere, die AGs besuchen nicht mehr nach Hause,“, sagt Köhler. „Unser Schulleiter Claus-Hartwig Otto will gemeinsam mit den anderen Gymnasien alle Hebel in Bewegung setzen, dass dieses Problem gelöst wird.“

„Klare Benachteiligung“

Dabei zahlt ein Oberstufenschüler zwischen 400 und 800 Euro für eine Jahreskarte. „Das ist eine klare Benachteiligung der ländlichen Region“, findet Frank Siesenop, Schulleiter des Schwalmgymnasiums. Denn die Karte sei eine „reine Schulbusfahrkarte, die Schüler können sonst nichts damit anfangen.“ In Städten könne die Karte zusätzlich genutzt werden, es gebe Vergünstigungen für Schüler.

„Wir wünschen uns keine Einzellösungen, sondern dass das Problem für alle Gymnasien im Kreis gelöst wird“, sagt Anette Schmidt. Iris Köhler, unterstützt diese Ausssage. Schmidt möchte den zukünftigen Landrat an seine Wahlversprechen erinnern: „Winfried Becker möchte ein gutes Bildungsangebot erhalten – dazu gehört auch der öffentliche Nahverkehr. Es kann nicht sein, dass Eltern ihre Kindern täglich chauffieren, damit sie nach Hause kommen.“

Zudem gebe es Scheinlösungen, die den Bedürfnissen nicht entsprächen, sagt Siesenop: „Das Anruf-Sammeltaxi kostet Geld und ist mitunter schwierig zu füllen.“

Von Sandra Rose und Claudia Stehr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.