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Strohfigur erinnert an Schwarzenbörner Streich

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Von: Sylke Grede

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Am Ortseingang von Schwarzenborn stellte Mirko Itzenhäuser diese Strohfigur auf. Sie weist auf den Schwarzenbörner Streich „Der Bulle auf der Stadtmauer“ hin.
Am Ortseingang von Schwarzenborn stellte Mirko Itzenhäuser diese Strohfigur auf. Sie weist auf den Schwarzenbörner Streich „Der Bulle auf der Stadtmauer“ hin. © Familie Itzenhäuser, Stadt Schwarzenborn

Am Ortseingang von Schwarzenborn macht ein Strohrollenarrangement auf eine der Sagen aufmerksam: „Der Bulle auf der Stadtmauer“.

Schwarzenborn – Die Schwarzenbörner Streiche kennen viele seit der Schulzeit. Die Sammlung von Geschichten, die man auch als hessisches Pendant zu den berühmten Schildbürgerstreichen betrachten könnte, wirft einen humorvollen Blick auf die Einwohner der kleinsten Stadt Hessens. Am Ortseingang von Schwarzenborn, vom Knüllköpfchen kommend, macht ein Strohrollenarrangement auf eine der Wandersagen aufmerksam: „Der Stadtbulle auf der Stadtmauer“. Den Bullen aus Stroh hat der Schwarzenbörner Mirko Itzenhäuser aufgestellt, die Rundballen lieferte Landwirt Andreas Lux.

Mirko Itzenhäuser mit Sohn Mika.
Mirko Itzenhäuser mit Sohn Mika. © Familie Itzenhäuser, Stadt Schwarzenborn

Der Bulle sollte das Gras auf der Stadtmauer fressen

In dieser Sage wird erzählt, dass die Schwarzenbörner den Stadtbullen auf ihre Stadtmauer ziehen wollten, damit der das dort wachsende Gras abweiden könnte. Zu diesem Zweck banden sie dem Tier einen Strick um den Hals. Kräftige Schwarzenbörner versuchten den Bullen von oben auf die Mauer zu ziehen, von unten wurde geschoben. Der Hals des Bullen wurde immer länger und länger. Beim endgültigen Ersticken streckte das Tier schließlich die Zunge aus dem Maul. Das erfreute die Schwarzenbörner, so dass sie riefen: „Seht ihr, er leckt schon.“ Das motivierte wiederum die von oben Ziehenden derart, dass sie den Bullen endlich auf die Mauer brachten. Aber da war der Bulle bereits tot.

In Schwarzenborn erinnert nicht nur die Strohrollenfigur an diese Legende, sondern auch eine festinstallierte Stahlskulptur an einem Stückchen Stadtmauerrest in der Hintergasse. Sie stammt ebenfalls von Mirko Itzenhäuser, der in einem Metall verarbeitenden Beruf arbeitet.

Die Stahlskulptur am Stadtmauerrest in der Hintergasse fertigte ebenfalls Mirko Itzenhäuser an.
Die Stahlskulptur am Stadtmauerrest in der Hintergasse fertigte ebenfalls Mirko Itzenhäuser an. © Familie Itzenhäuser, Stadt Schwarzenborn

Bürgermeister vermutet Neid hinter der Geschichte

Die Autorenschaft der Schwarzenbörner Streiche ist unbekannt, doch der ehemalige Schwarzenbörner Bürgermeister und jetzige Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann äußerte gegenüber der HNA einmal folgende Vermutung: „Diese Geschichten sind sicherlich in den Nachbarorten entstanden, wo die Menschen einen neidvollen Blick auf Schwarzenborn geworfen haben.“ Für so einen kleinen Ort war es ungewöhnlich, Stadtrechte zu genießen, denn der Stadtstatus war früher mit vielen Privilegien verbunden. Als städtischer Bürger war man keinem Gutsherren als Leibeigener verpflichtet, und die Stadtmauern boten Schutz vor Feinden. Das mochte manchem nicht geschmeckt haben. Und so mussten die Schwarzenbörner als etwas trottelige Hinterwäldler herhalten, die einen Bullen auf der Stadtmauer weiden lassen wollten. Geschadet hat es ihnen nicht. Denn durch die Schwarzenbörner Streiche ist die Stadt über die Region hinaus bekannt – und immerhin stammen die Ahnen Goethes, des größten Dichters der Deutschen, ausgerechnet aus Schwarzenborn.

Zeichnung zum Schwarzenbörner Streich.
Zeichnung zum Schwarzenbörner Streich. © Familie Itzenhäuser, Stadt Schwarzenborn

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