35-jähriger Ex-Student betrog Freikirche dreist um tausende Kilowattstunden

Strom aus WC abgezapft

Treysa. Ein besonders dreister Fall von Stromraub wurde vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt verhandelt.

Laut Staatsanwaltschaft hatte ein heute in Leipzig von Hartz IV lebender Student bis November 2013 seinem Vermieter monatelang Strom geklaut. Den Strom benötigte der 35-Jährige damals für den Betrieb einer Schrauberwerkstatt im Altkreis Ziegenhain.

Nachdem der Energieversorger den Strom wegen ausstehender Zahlungen abgeklemmt hatte, legte sich der Mann vom in der Toilette befindlichen Stromverteilerkasten ein Kabel in die Werkstatt. Hierdurch sei dem Vermieter, eine Freikirche, ein Schaden von rund 4000 Euro entstanden, sagte der Staatsanwalt.

Der Angeklagte selbst wollte zu den Vorwürfen keine Angaben machen. Umso mehr ließ er seinen Körper sprechen. Immer wieder lehnte sich der Mann auf der Anklagebank gestenreich zurück.

Ein mittlerweile im Ruhestand lebender Polizeibeamter berichtete dem Gericht von dem kuriosen Fall. Um Spuren zu verwischen, habe der Angeklagte bei der ersten Durchsuchung die Polizei eine halbe Stunde vor dem Tor warten lassen. Einen in der Halle befindlichen vereisten Kühlschrank erklärte der Angeklagte den Beamten damals mit Eisspray. Bei der zweiten Durchsuchung sei der 35-Jährige nicht in seiner Werkstatt gewesen, sagte der Polizist: „Als ich den Schalter neben der Tür gedrückt hatte, ging das Rolltor auf. Da war klar, er hat wieder Strom.“

Handwerkliches Geschick

Ein von der Polizei hinzugezogener Elektromeister attestierte dem Angeklagten durchaus ein gewisses handwerkliches Geschick. Trotzdem sei der Stromklau nicht ungefährlich gewesen, der 35-Jährige habe eine Leitung sogar unter Spannung verlegt.

Aufgefallen war die ganze Aktion erst durch eine Vorwarnung des Energieversorgers an den Vermieter. In einer Mail kündigte der Stromlieferant die Erhöhung der Abschlagszahlung von 85 Euro auf 200 Euro an. „Von 4000 Kilowattstunden hatte sich der Verbrauch auf 13 000 Kilowattstunden erhöht“, berichtete der Pastor der Freikirche.

Nach rund 60 Minuten Verhandlung forderte der Staatsanwalt für den Stromdiebstahl eine Geldstrafe von 2200 Euro. „Es ist eine Tatsache, dass der Angeklagte in der angemieteten Halle gearbeitet hat“, stellte der Jurist fest. Die Verteidigerin sah dies anders. Niemand habe ihren Mandanten bei der Manipulation gesehen und daher käme nur ein Freispruch infrage.

Dem wollte der Richter nicht folgen. Mit drei Monaten Haft auf Bewährung fiel das Urteil härter aus, als vom Staatsanwalt gefordert. Zudem muss der Angeklagte 600 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen und den Schaden wiedergutmachen.

Von Matthias Haaß

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.