16. Bilderschwatz: Dr. Anton Merk sprach über das Lins-Gemälde „Der Dorfturner“

Szenen aus der Schwalm

Alles passt zusammen, Kunsthistorie, Sport und Medien: (Von links) Andreas Kurz, Dr. Anton Merk, Marco Luckhardt, Markus Berg, Dirk Merle, Georg Orth, Jan Depken, Peter Twiehaus und Ulli Becker-Dippel beim 16. Bilderschwatz. Foto: Rose

Willingshausen. Kaum einer hätte gedacht, dass die einstige Idee vor der EuroArt, Bilder der Willingshäuser bei einem vergnüglichen Schwatz – jeweils aber mit einem Experten – zu besprechen, eine solch feste Größe im Kalender wird: Und doch ist der Zuspruch zum Bilderschwatz nach wie vor ungebrochen.

„Bei 300 Malern, die in Willingshausen gewirkt haben, finden wir noch viele Bilder, über die wir schwatzen können“, sagt Mitorganisatorin Ulli Becker-Dippel. Am Dienstag plauderte man mit Dr. Anton Merk in der 16. Auflage über den „Dorfturner“ von Adolf Lins.

SV Antrefftal war Pate

Die Patenschaft des Abends hatte der Sportverein SV Antrefftal 1911 übernommen. Vorsitzender Marco Luckhardt informierte über die Aktivitäten, des seit 1971 mit Merzhausen fusionierten Vereins mit 390 Mitgliedern. Stark sein man insbesondere im Fußball. Einen gute Visitenkarte gäben die Frauen ab: Der Verein verfügt über ein B-Mädchen- und ein Kreisliga-Team. Zudem werde Seniorengymnastik und Nordic Walking angeboten, die Badminton-Abteilung ruhe, geplant sei ein Radfahr-Treff.

Motorisierung begann

Nach der Begrüßung durch Paul Dippel zog es seine „allerliebste Gattin“ an den Zeitstrahl. Diesmal ging es um die Zeit um 1884: Daimler und Maybach konstruierten den Reitwagen, ein Vorreiter des Motorrades. Die Buchdrucker gründeten die erste Berufsgenossenschaft, von Bodelschwingh die erste Bausparkasse. Den Willingshäuser Malern widmete sich im Anschluss Dr. Anton Merk. Lins sei häufig und ein wenig spöttisch als „Gänse-Lins“ bezeichnet worden. „Zugegeben, er hat in Willingshausen nicht die Linie bestimmt, aber er war einer der kontinuierlichsten Maler. Und Gänse tauchen tatsächlich in vielen seiner Werke auf.“

Kinder auf Gemälden

Von 1874 bis 1908 besuchte Lins jedes Jahr die Schwalm. So erlebte er auch die Strömungen, von denen Maler in Willingshausen beeinflusst waren. „Als Krönung der Malerei galt lange die Historienmalerei, unter Jakob Becker entwickelte sich die Genremalerei“, verdeutlichte der Kunsthistoriker. Er stellte den Alltag dar. Zum Star der Szene wurde Ludwig Knaus, „er machte die Kinder auf den Bildern salonfähig“. Lins malte die Schwälmer zunächst unprätentiös, dann folgten häufig idyllische – wenngleich nicht heroische – Abbildungen der Bauern und Dorfbewohner. „Kleine Alltagsszenen auf kleinen Formaten.“

Bekannt bis nach Paris

Carl Bantzer löste dann schließlich die Genre-Malerei auf. „Die verstand die Schwälmer im Bild nicht als Staffage.“ Mit ihm sei eine wahre „Bilderflut“ über die Kunstwelt herein gebrochen – die Schwälmer wurden als Motiv bis nach Paris bekannt und geschätzt.

Geschätzt wird im Anschluss an jeden Bilderschwatz auch die Möglichkeit des „Mitschwatzens“: Das taten die Gäste ausgiebig. Dabei ließen sie sich, gereicht von den Mitgliedern des Sportvereins, auf dem Platz vor dem Gerhardt-von-Reutern-Haus Bratwurst und Getränke schmecken.

HINTERGRUND RECHTS

Von Sandra Rose

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