Winfried Arndt ist der wohl älteste Verwalter einer Lernmittelbücherei in Deutschland

Mit 74 täglich in die Schule

Winfried Arndt: Seit 50 Jahren sind die Schulbücher sein Metier. Foto: privat

Neukirchen. Dem vermutlich dienstältesten Lernmittelverwalter Deutschlands gratuliert die Steinwaldschule Neukirchen. Im Mai 1965 hatte Winfried Arndt das Amt vom damaligen Schulleiter der Volksschule Neukirchen übertragen bekommen, gleich bei seinem Antritt als junger Lehrer.

Noch heute ist der Loshäuser täglich in der Schule, obwohl er sich seit 2006 im wohlverdienten Ruhestand befindet. Doch warum? „Es macht mir einfach riesen Spaß“, so der 74-Jährige im Gespräch mit der HNA. Jeden Tag zwischen 6 Uhr und 6.30 Uhr trifft er in der Schule ein, Hauptarbeitszeit sind die 9-Uhr- und die 11-Uhr-Pausen.

Inventarisierung

Neben seinem eigentlichen Beruf hat Arndt somit ein halbes Jahrhundert mit der sachgemäßen Inventarisierung von ungezählten Schulbüchern verbracht, Generationen von Schülern ihre Bücher ausgehändigt und sie zurückgenommen. Was so einfach klingt, erfordert doch zahlreiche Schritte: Die Schulbücher mussten nicht nur geordnet aufbewahrt und jedes Jahr neu ausgeteilt werden, sondern auch bestellt, katalogisiert, gestempelt, repariert oder auch aussortiert werden. Auch die Verwaltung der Rechnungen und des Budgets gehören dazu. Ehrenamtlich mit mehreren Stunden in der Woche – auch in den Ferien – hat Winfried Arndt diese Arbeit versehen, und tut das weiterhin.

Eine dafür vorgesehene Deputatstunde wollte er lieber für seinen Unterricht in den Fächern Mathe, Englisch und Deutsch nutzen, denn seit 1978 war er auch als Rektor als Ausbildungsleiter für Lehramtsstudenten der Sekundarstufen tätig und hatte daher nur wenige Unterrichtsstunden zur Verfügung.

Etiketten statt Stempel

Die Arbeit in der Lernmittelsammlung (früher: Lehrmittelbücherei) hat sich seit dem nicht grundlegend verändert. Die Schülerzahlen sind geringer geworden und vor rund zehn Jahren hat Arndt den Sprung in die computergestützte Verwaltung der Medien gewagt, heute kommen Etiketten anstelle von Stempeln in die Bücher.

Geändert hat sich dafür umso häufiger der Raum, achtmal ist Arndt innerhalb der Schule mit der Bücherei umgezogen. Sein letzter Umzug liege gerade wenige Tage zurück, da sein Raum dem Bau eines Fahrstuhls weichen muss, so ein Pressetext der Steinwaldschule. Nunmehr verfüge er über einen hellen Klassenraum mit großzügigem Platzangebot.

Kontakt zu allen

Verblüffend ist es dennoch, dass er  – trotz seiner langjährigen schweren Krankheit – die Arbeit immer noch so gerne tut. Die verwaltungsmäßigen Aufgaben seien für ihn spannend, so Arndt, und er mag auch den Kontakt zu allen Schülern.

So war es für ihn eine große Freude, dass ihn seine erste Klasse, die er vor 50 Jahren übernahm, kürzlich zum Klassentreffen einlud. Von damals 44 Schülern waren 38 erschienen, zwei seien leider schon verstorben. Wunderschön sei es gewesen, gemeinsam die Dias von einer Wanderung damals anzuschauen. „Ich war mit Leib und Seele Lehrer“, erzählt Arndt dann noch, „keine Minute habe ich je bereut“. (aqu)

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