Taten wohl im Wahn verübt

Angeklagter aus dem Schwalm-Eder-Kreis soll Schwager mit Küchenmesser bedroht haben

Symbolbild Gericht HNA
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In Marburg wird der Fall eines 45-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis verhandelt.

Vor dem Marburger Landgericht muss sich ein 45-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis verantworten. Es soll unter anderem um Körperverletzung und Nötigung gehen. Zeugen beschreiben den Mann als paranoid schizophren.

Marburg/Schwalm – Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung: Die Staatsanwaltschaft erhebt einige Vorwürfe gegen einen 45-Jährigen aus dem westlichen Schwalm-Eder-Kreis. Zeugen beschreiben ihn am ersten Tag vor dem Marburger Landgericht als „paranoid schizophren“, reden von „wahnhaften Symptomen“ wie Verschwörungsgedanken und auch akustische Halluzinationen klingen zumindest an. Es geht also neben der Wahrheit um die Frage der Schuldfähigkeit.

Zur Anklage: Am 13. Dezember 2017 soll der Mann an einer Bushaltestelle Jugendliche ohne für sie erkennbaren Grund geschubst und bedroht haben. Im Bus soll der Angeklagte seinem Neffen, den er laut eigener Aussage als „frech“ empfunden habe, einen Schlag an den Hinterkopf versetzt haben – den Schlag bestreitet der 45-Jährige aber. Auch sein Neffe kann sich als Zeuge an einen Schlag nicht recht erinnern. Am Folgetag soll er seinen Schwager vor dessen Haustür mit einem Küchenmesser bedroht haben – die Anklage spricht von einer 20 Zentimeter langen Klinge.

Am 17. Dezember 2017 soll der 45-Jährige am Bahnhof in Schwalmstadt einen unbekannten Mann ohne Vorwarnung auf einer Treppe in den Nacken geschlagen haben. „Sie sind ein Spion!“, soll der Angeklagte mehrfach gerufen haben. Am 27. März 2020 dann habe er zunächst Personal seiner Wohngruppe mit einem Messer bedroht und später auf der Straße einen dort angetroffenen Mitbewohner ebenfalls bedroht.

Verhandlung in Marburg: Schwager warf Angeklagten vor die Tür

In seiner Einlassung beschreibt der 45-Jährige, er habe sich im Dezember 2017 in „einer komplizierten Situation“ befunden: Sein Heimvertrag sei ihm kurz vorher gekündigt worden, er habe zehn Jahre lang in der Frankfurter Gegend gelebt. Weil er keine andere Bleibe hatte, ist er dann bei Schwester, Schwager und deren Kindern in einem Ort im Schwalm-Eder-Kreis eingezogen. Zwischen dem Schwager und dem Angeklagten gab es wohl Probleme. Der 45-Jährige habe etwa alle beschuldigt, ihm Schlechtes zu wollen. Der Schwager jedenfalls warf ihn vor die Tür. „Ich lebte ein paar Monate auf der Straße, ohne medikamentöse Behandlung“, sagt der Beschuldigte.

Am 13. Dezember 2017, dem ersten Tattag, habe er sich freiwillig an eine psychiatrische Klinik gewandt, berichteten Zeugen. Weil er sich aber nicht an die Regeln gehalten habe, ist er „disziplinarisch entlassen“ worden – noch am selben Tag. Wenige Tage später brachte ihn dann die Polizei in die Klinik zurück. Er sei laut der damaligen Ärztin aggressiv und laut gewesen, habe Mitpatienten Angst gemacht und im Überwachungszimmer randaliert. Auch die zweimalige Zwangsmedikation mit Fixierung konnte die Aggressionen demnach nicht beruhigen. Schuldunfähig oder nicht? Ein psychiatrisches Gutachten soll noch Licht ins Dunkel bringen. (Beatrix Achinger)

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