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Tatwaffe des Schützen im Aldi verschwand 2007 in Niedersachsen

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Von: Matthias Haaß

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Tatortabsperrung in Treysa am Aldi-Markt.
In diesem Aldi-Markt in Treysa erschoss am 7. Juni 2022 ein Mann eine Frau und tötete sich anschließend selbst. © Quehl, Anne

Im Juni tötete ein 58-Jähriger eine 53-jährige Frau im Aldi-Markt in Treysa, unmittelbar danach beging er Selbstmord. Jetzt gibt es neue Details.

Schwalmstadt / Marburg – Auf Anfrage der HNA informierte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Marburg, Timo Ide, jetzt über den Stand der laufenden Ermittlungen.

Neues gibt es zur Herkunft der Waffe: Demnach war die Pistole des belgischen Unternehmens Fabrique Nationale Herstal bis 2007 legal im Besitz eines Mannes aus Niedersachsen. Als dieser damals gestorben war, habe die zuständige Behörde mit den Erben Kontakt aufgenommen, um den Verbleib der Pistole zu klären. Die Erben hätten aber von der Waffe keine Kenntnis gehabt, sie wurde als vermisst gemeldet, so Ide. Danach verliert sich die Spur, erst 15 Jahre später tauchte die Pistole wieder auf – bei der Schreckenstat in Treysa.

Unklar, was mit der Tatwaffe zwischen 2007 und 2022 geschah

Ob die Waffe in der Zwischenzeit bei Verbrechen genutzt worden sei, sei Gegenstand der Ermittlungen, erklärte der Pressesprecher. Dazu würden seitens des Landeskriminalamts Beschusstests gemacht. Auch wie sie in den Besitz des Schützen kam, sei noch nicht geklärt: „Das lässt sich bislang noch nicht rekonstruieren.“ Weitere Angaben zum Täter wollte die Staatsanwaltschaft nicht machen. Nach Medienberichten soll der 58-Jährige aber aus der Gemeinde Wallenhorst im Landkreis Osnabrück stammen – 236 Kilometer von Treysa entfernt. Mit dem Auto benötigt man knapp zweieinhalb Stunden für die Strecke.

Bei den tödlichen Schüssen stand der Wallenhorster laut Pressesprecher weder unter Alkohol noch unter Drogeneinfluss. Zuvor sei der 58-Jährige strafrechtlich nicht auffällig gewesen. Es gebe keinen Eintrag im Bundeszentralregister, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Auch sei bislang nicht bekannt, ob sich weitere Frauen im Zusammenhang mit dem Mann hilfesuchend an Behörden gewandt hätten.

Zum Täter sind weiter viele Fragen offen

Bei der Hausdurchsuchung des Täters wurden nach Angaben des Pressesprechers keine Abschiedsbriefe oder Ähnliches gefunden. In der Wohnung waren auch keine weiteren Waffen. Eine Waffenbesitzkarte hatte der 58-Jährige nicht. Ob der Täter im Umgang mit Waffen geschult gewesen sei, könne er nicht sagen, erklärte Timo Ide.

Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, sei noch nicht absehbar, sagte der Sprecher gegenüber der HNA. Da sich der Schütze selbst tötete, wird es aber nach jetzigem Stand keinen Prozess geben.

Hintergrund: Frau zeigte späteren Täter vor der Tat an 

Die Tat im Aldi-Markt in Treysa bleibt im Gedächtnis. Am 7. Juni erschoss ein 58-jähriger Mann seine 53-jährige Ex-Freundin mit vier Schüssen und brachte sich anschließend mit einem Kopfschuss selbst um. Bei der Tat könnte es sich um einen Femizid handeln. Darunter versteht man die Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Nur wenige Stunden vor der Tat hatte das Opfer den Mann bei der Polizei unter anderem wegen Körperverletzung angezeigt.

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