Die Amsel war noch um 1800 ein scheuer Waldvogel – Wunderschöner Gesang

Tausendsassa im Garten

Die Amsel: Vom scheuen Waldvogel zum Tausendsassa. Foto: Archiv

Schwalm. In fast jedem Garten ist sie zuhause, überall leicht zu beobachten und dazu noch einfarbig schwarzbraun. Was soll es da über die Amsel Spannendes zu berichten geben? Jede Menge, wenn man sich den nur oberflächlich unscheinbaren Vogel genau anschaut.

Schon die Tatsache, dass der wunderschöne, voll flötende Vogelgesang, der in der letzten Abend- und der frühen Morgendämmerung von Dächern und aus Baumspitzen erschallt, nicht von Nachtigall oder Singdrossel, sondern tatsächlich von der Amsel stammt, ist weithin unbekannt. Viele Kenner halten den Gesang der Amsel aufgrund seiner Schönheit den anderen Meistersängern durchaus für ebenbürtig oder sogar überlegen. Dann die Färbung: Bei genauer Betrachtung sind Amseln nicht einfach „schwarzbraun“, sondern zeigen eine nach Alter und Geschlecht unterschiedliche Färbung. Erwachsene, adulte Männchen sind fast schon leuchtend tiefschwarz gefärbt, der gelbe Schnabel kontrastiert dazu sehr auffällig.

An der Intensität der Schnabelfärbung können die Amselweibchen die Kondition und den Gesundheitszustand der Männchen ablesen. Sie verpaaren sich bevorzugt mit besonders fitten Männchen, die sich durch einen leuchtend gelborangen Schnabel auszeichnen. Die Weibchen selbst sind variabel bräunlich gefärbt, darunter viele Tiere mit orangebraun oder beige gemusterter Brust, die mit anderen Drosselarten verwechselt werden können. Jungvögel zeigen neben der heller bräunlich gemusterten Unterseite als einzige auch eine oberseits bräunliche Zeichnung, was als Tarnfärbung zu verstehen ist.

Besonders spannend aber ist die Geschichte der Amsel. Der Vogel, den wir heute als häufigen Standvogel das ganze Jahr in unseren Gärten erleben, war bis etwa zum Jahr 1800 ein scheuer Waldbewohner und noch dazu ein ausgeprägter Zugvogel. Erst mit der Ausbildung der ersten Parks und Gärten in den Ortschaften, mit Verzicht auf die seinerzeit allgegenwärtige Bejagung und der daraus entstehenden Gewöhnung der Amseln an den Menschen wurde eine Bestandszunahme und Ausbreitung möglich, die zur Ansiedlung auch in Ortschaften führte.

Die zusätzlichen Nahrungsquellen an Kompost- und früher Misthaufen oder durch gezielte Fütterung ermöglichte den „Stadt-Amseln“ die Überwinterung am Brutplatz, während die „Wald-Amseln“ zum Teil noch heute Zugvögel sind, die in den Mittelmeerraum und sogar bis nach Nordafrika ziehen. Eine in Südschweden beringte Amsel hält den Rekord, sie hat bis in ihr Winterquartier in Spanien fast 2500 km zurückgelegt.

Von Stefan Stübing und Heinz Stübing

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