Kühllung nur mit viel Wasser möglich

Schwalm-Eder-Kreis: Feuerwehren sind auf brennende Elektroautos vorbereitet

Auf einer Landstraße steht ein Feuerwehrauto neben einem brennenden Pkw
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Fahrzeugbrand: Wenn ein Elektroauto brennt, muss die Feuerwehr nicht nur den offensichtlichen Brand bekämpfen. Beschädigte Hochvoltbatterien benötigen stundenlange Kühlung. Im Schwalm-Eder-Kreis kam es bislang noch nicht zu einen solchen Einsatz, unser Archivbild zeigt einen normalen Brand.

Die Rechnung ist denkbar einfach, je mehr E-Autos unterwegs sind, desto öfter wird es auch mit solchen Fahrzeugen zu Unfällen und auch Bränden kommen.

Schwalm-Eder - Das die Feuerwehren im Schwalm-Eder-Kreis bislang noch kein brennendes Elektroauto löschen mussten, ist purer Zufall. Gerade auf den Autobahnen wächst täglich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem solchen Szenario kommt.

Zahl der Elektroautos ist noch gering

Das Kraftfahrbundesamt verzeichnet in seiner Statistik vom Januar 2020 für den Schwalm-Eder-Kreis 265 Autos mit Elektroantrieb. Insgesamt rollen auf den Straßen im Kreis 118 283 Autos. Wie eine Abfrage durch die Kreisverwaltung bei den Feuerwehren ergab, kam es bislang noch zu keinem Brand eines Elektroautos, bei dem der Einsatz der Feuerwehr erforderlich war. Das Thema alternative Antriebe ist aber fester Bestandteil der Ausbildung in den Wehren.

Bei Bränden von Elektrofahrzeugen müsse mit Reaktionen der brennenden Hochvoltbatterie gerechnet werden. Außerdem sollte aus Sicherheitsgründen immer davon ausgegangen werden, dass die Hochvoltbatterie und Hochvoltkomponenten unter Spannung stehen, weiß Frank Nuhn, der mit seinem Team im Schwalm-Eder-Kreis für die Ausbildung im Bereich der Technischen Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen verantwortlich ist. „Freiliegende Hochvoltkomponenten und Hochvoltkabel stellen somit eine potenzielle Stromschlaggefahr dar“, erklärt Nuhn und gibt zu bedenken, dass Fahrzeugbrände nicht nur nach Unfällen, sondern auch durch technischen Defekt entstehen können.

Frank Nuhn

Elektroauto: Brand kann zum Problem werden

Im Prinzip unterscheidet sich der Brand eines E-Autos zunächst aber nicht vom Brand eines konventionelle angetrieben Fahrzeugs. Karosserie, Reifen und Innenausstattung sind in der Regel identisch. Verbauter Kunststoff und Leichtmetall führt in beiden Fällen zu einer hohen Brandlast und extremer Rauchentwicklung.

Problematisch wird es beim E-Auto, wenn Hochvoltbatterien beschädigt werden. Die liegen zwar in den meisten Fällen gut geschützt im Unterboden des Autos, können aber bei schweren Unfällen oder technischen Problemen beschädigt werden.

Die Energie in Form von Wärme wird dann vor allem im Innern der Batterien freigesetzt, wo der Brand wie bei einer Kettenreaktion von Teilzelle zur nächsten Teilzelle springt. Fachleute sprechen auch von einem sogenannten „Thermal Runway“. Die dabei entstehenden hohen Temperaturen können das vermeintlich gelöschte Fahrzeug wieder entzünden. „Da die Batterie sehr gut geschützt ist, kommt das Löschwasser nicht an den Brandherd und die Batterie wird lediglich von außen gekühlt“, erklärt Frank Nuhn.

Die verzögerte Wiederentzündung der Batterie - auch nach mehreren Stunden - stellt noch eine Gefahr dar

Frank Nuhn

Elektroauto: Feuerwehr muss mit viel Wasser kühlen

In einem solchen Fall lautet dann das Motto: Viel hilft viel. Sobald das offene Feuer bekämpft ist, müssen die Batterien über einen längeren Zeitraum gekühlt werden. „Die verzögerte Wiederentzündung der Batterie - auch nach mehreren Stunden - stellt noch eine Gefahr dar“, erklärt Kreisausbilder Frank Nuhn.

Abklingbecken: In einem solchen Container könnten E-Autos versenkt werden. Die Feuerwehren im Kreis halten eine solche Technik noch nicht vor.

Um Personal und Material zu sparen, sind manche Feuerwehren dazu übergegangen, Elektroautos nach einem Brand für ein, zwei Tage in ein Wasserbad zu stecken. Oft kommen dabei große Abrollcontainer oder Mulden zur Anwendung. Wie der Landkreis auf Anfrage mitteilte, gibt es aber bei den Feuerwehren im Schwalm-Eder-Kreis bislang noch keine Wechselladerfahrzeuge und demnach auch noch keine Abrollcontainer für solche speziellen Situationen.

Für die Wehren heißt es daher improvisieren. Man müsse in einem solchen Fall auf eine geeignete Fachfirma zurückgreifen, sagt der Sprecher Feuerwehr Guxhagen, Robin Stephan.

Bad Zwestens Feuerwehrsprecher Christian Rinnert erklärt: „In Bad Zwesten verfügen wir über keine entsprechenden Container. Hier wird derzeit in der Vorplanung für eventuelle. Einsätze geschaut inwieweit Firmen im Umkreis in der Lage sind entsprechende Container kurzfristig bereitzustellen.“

Elektroauto: Feuerwehr kritisiert fehlende Einheitlichkeit

Kritik üben die Feuerwehren an den Herstellern und ihrer Produktpolitik. Zusätzlich zu der Herausforderung durch die neue Technik komme erschwerend eine fehlende Einheitlichkeit bei Hinweisen an Fahrzeugen hinzu, welche den Ausbildungsaufwand enorm verstärke sagte ein Landkreissprecher: „Im Einsatz bedeutet dies einen erhöhten Erkundungsaufwand für die Einsatzkräfte.“

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