Ausfall der Telefonanlage in Ziegenhainer Klinik

Telefone standen still - Telekom: Backup kostet Geld

Blick auf den Bettentrakt der Asklepios Klinik in Ziegenhain.
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Blick auf den Bettentrakt: Für die Patienten ist die Telefonanlage laut Asklepios aufgerüstet worden.

In der gesamten Asklepios-Klinik in Ziegenhain ist an einem Tag im August die Telefonanlage ausgefallen. Auf HNA-Anfrage bestätigt das eine Kliniksprecherin.

Schwalmstadt - Ein Angehöriger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat uns diese Information gegeben. Er berichtet, dass er von morgens bis abends nicht in der Klinik anrufen konnte, umgekehrt habe das Klinikpersonal nicht nach draußen telefonieren können. Er sei schließlich von Kassel aus in das Schwälmer Krankenhaus gefahren, „um das dringend nötige Arztgespräch zu führen“. Seiner Kenntnis nach gebe es „immer wieder Probleme mit der telefonischen Erreichbarkeit“.

Von der Asklepios-Verwaltungsleitung heißt es, dass sich der Angehörige vermutlich auf Mittwoch, den 19. August, bezieht. „An diesem Tag ist tatsächlich die telefonische Erreichbarkeit unserer Klinik stark eingeschränkt gewesen.“ Grund dafür sei ein technischer Defekt bei der Telekom gewesen. Außerdem müsse differenziert werden: „Sobald keine ausgehenden- und eingehenden Anrufe mehr möglich sind, werden 22 Notfallhandys an strategisch wichtige Stationen im Haus ausgegeben.“ Diese würden in einem solchen Fall an alle Stationsstützpunkte, die Information, die zentrale Notaufnahme, die diensthabenden Ärzte im Haus, den Kreißsaal sowie weitere Abteilungen verteilt. Zudem werde über den diensthabenden Arzt der zentralen Notaufnahme umgehend die Leitstelle kontaktiert, sodass über diese Ebene alle zuweisenden Leitstellen die Information erhalten, dass in der Klinik auf Notfallhandys ausgewichen werde. „Die lückenlose Erreichbarkeit ist für den Weg der Notfälle somit sofort sichergestellt, alle strategisch wichtigen Stationen sind erreichbar, sowie alle diensthabenden Ärzte.“

Die Telefonnummern der Notfallhandys seien den Leitstellen bekannt, die verantwortlichen Mitarbeiter für die Leitstellen erreichbar. Auch Telefonate nach draußen seien hierüber möglich, so die Asklepios-Geschäftsleitung.

Nicht zutreffend ist es laut Asklepios, dass es wiederholt zu Ausfällen bei der telefonischen Erreichbarkeit komme, so, wie es der Informant der HNA beschreibt. „Wer weiß, wie oft das noch so geht?“, merkt er an und sieht einen „Skandal nicht ohne Risiko“. Solch eine „Panne dürfe eigentlich nicht sein“. Darin habe ihn ein Mitglied aus der leitenden Ärzteschaft entschieden bestätigt. Dass die Telefonanlage häufiger ausfalle, will Asklepios nicht stehen lassen. Eine Sprecherin erklärt: „Die Aussage, dass es immer wieder Probleme geben soll, können wir so nicht bestätigen.“ Seit Beginn der Pandemie sei die Anlage sukzessive aufgerüstet worden. Das diene dazu, bei eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten die Kommunikation mit Angehörigen besser darstellen zu können.

Den stundenlangen Komplettausfall Mitte August bestätigte auf HNA-Anfrage die Telekompressestelle: „Am 19. August kam es zu einem längeren Totalausfall der Leitung. Uns wurde die Störung um 12.45 Uhr gemeldet. Die Entstörung erfolgte noch am gleichen Tag, die Leitung ging wieder um 20.08 Uhr. Die Ursache war in der technischen Baugruppe zu finden. Der Vertrag mit der Asklepiosklinik sieht ein Service Level Agreement von acht Stunden vor, das wir eingehalten haben.“ Vom Bekanntwerden der Störung bis zur Behebung waren es laut Telekom sieben Stunden und 24 Minuten. Dabei gebe es auch eine Sicherheitslösung, die aber extra kostet. Dazu die Telekom: „Die Asklepiosklinik hat einen reinen Erstweg und kein Backup. Es gibt Kunden, die ihre kritische Infrastruktur kostenpflichtig per Zweitweg gegen Ausfälle schützen. Die Asklepiosklinik hat keinen Zweitweg gebucht und somit war keine Ersatzschaltemaßnahme möglich.“ Für die Unannehmlichkeiten bitte die Telekom aber um Verständnis.  Anne Quehl

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