Abraham Höxter erfand ein Serum gegen Tierseuche – Korrigierte Stolpersteine erinnern an ihn und seine Frau

Tierarzt half den Bauern in Not

Bei der kleinen Zeremonie gestern in der Bahnhofstraße: Von links Bürgermeister Dr. Gerald Näser, Professor Miriam Höxter und Helmut Bernsmeier. Fotos: Decker

Treysa. Drei Stolpersteine in der unteren Bahnhofsstraße, die an die jüdische Familie Höxter erinnern, wurden in einer kleinen feierlichen Zeremonie ausgewechselt. Grund: Die Inschriften entsprachen nicht den mittlerweile bekannten Fakten.

Vor einem Jahr hatte Miriam Höxter aus Jerusalem die Stadt Treysa besucht und bemerkt, dass die Todesdaten ihrer Großeltern Margarete und Abraham Höxter nicht korrekt waren und das Schicksal ihres Vaters Werner Höxter nur mit drei Fragezeichen bezeichnet war. Sie schrieb dem Künstler Günter Demnig (siehe Hintergrund) einen Brief und bat, sowohl die Todesdaten ihrer Großeltern als auch die Flucht ihres Vaters nach Palästina zu korrigieren.

Dieser Bitte entsprach Demnig. Dr. Gerald Näser erinnerte an die kontroverse Diskussion vor elf Jahren, als diese Gedenksteine mit 22 anderen in Treysa und Ziegenhain verlegt worden waren. Schwalmstadt hatte 2004 als erste Kommune Hessens die europaweite Kunstaktion zur Erinnerung an die Opfer der Zeit des Nationalsozialismus mit den Stolpersteinen (siehe Hintergrund) umgesetzt. Der damalige Geschichtsleistungskurs des Schwalmgymnasiums hatte mit seinem Schulleiter Dr. Helmut Bernsmeier das Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbewohner erforscht. „Wir sahen die Stolpersteine weniger als Kunstprojekt, sondern als Notwendigkeit, an unsere jüdischen Mitbewohner zu erinnern“, sagte Dr. Helmut Bernsmeier. Prof. Miriam Höxter sprach ein hebräisches Gebet und erinnerte mit wenigen Worten an ihre Großeltern. Abraham Höxter habe als Tierarzt ein Serum gegen die Maul- und Klauenseuche erfunden. 1934 seien ihm und seiner Frau deswegen die Pässe entzogen worden, damit das deutsche Geisteseigentum nicht ins Ausland abwandern könnte. Ihr Vater Werner sei 1935 nach Palästina geflohen. Obwohl ihrem Großvater 1935 die Ausübung seines Berufes untersagt worden war, kamen immer wieder Bauern zu ihm, die heimlich seine Hilfe erbaten.

Schandmarsch durch Treysa

1938 brach dann in der Region die Maul- und Klauenseuche aus. Abraham Höxter habe verbotenerweise die Tiere mit seinem Serum geimpft. Er wurde verraten und in einem Schandmarsch durch Treysa getrieben.

Bernd Lindenthal erinnerte an den aktiven Kommunalpolitiker Abraham Höxter, der sich vor der Zeit des Nationalsozialismus in der Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag engagierte. „Er war eine stadtbekannte Persönlichkeit“, so Lindenthal.

Mit dem letzten Transport

Am 6.September 1942 wurden Abraham und Margarete Höxter mit dem letzten Transport von Treysa nach Theresienstadt deportiert. Abraham Höxter wurde am 25. Juni 1943, seine Frau Margarete am 23. April 1944 in Theresienstadt ermordet. 

Von Christiane Decker

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