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Totalschaden am Kirchendach - Renovierung lohnt sich nicht

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Von: Sylke Grede

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Das Foto zeigt die St. Adalbert von Prag-Kirche in Neukirchen.
Die Ziegelreihen auf dem Dach der St. Adalbert von Prag-Kirche in Neukirchen sind verschoben. Der gesamte Dachstuhl müsste erneuert werden. Das ist zu teuer. Das Gebäude wird als Kirche aufgegeben. © Jens Körber, CDU Neukirchen

Nach der Entwidmung und dem Verkauf der katholischen Kirchengebäude in Frielendorf, Oberaula und Schrecksbach setzt sich diese Entwicklung im Altkreis Ziegenhain fort. Diesmal betrifft es Neukirchen.

Neukirchen – „Traurig sind wir alle“, sagt Klemens Olbrich, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der katholischen Kirchengemeinde St. Josef Schwalmstadt-Neukirchen.

Der Grund: Das Dach der St. Adalbert von Prag-Kirche in Neukirchen ist marode. Für das Gebäude bedeutet das einen Totalschaden. Durch die finanziell schlechte Lage des Bistums Fulda kann kein neuer Dachstuhl genehmigt werden, erklärt Pfarrer Jens Körber.

Das Kirchengebäude in Neukirchen wurde 1957 gebaut. Die Ziegelreihen des Kirchendaches auf Dachseite des Kirchenhaupteingangs der Kirche sind sichtbar verschoben, beschreibt Körber den Schaden. Der Leimbinder über dem Treppenaufgang sei ausgebeult. Die Giebel in den Stirnfassaden zeigen im Putz und Mauerwerk Risse.

Das Foto zeigt Jens Körber.
Jens Körber, Pfarrer © Privat

Dach könnte bei Belastung Einstürzen

Ein Ingenieurbüro in Marburg/Kassel erstellte ein Statik-Gutachten vom Kirchendach, Kosten dafür knapp 10 000 Euro. Das Gutachten belegt einen massiven Schaden an der Dachkonstruktion, mit Einsturzgefahr bei gewisser Schneelast und Sturmeinwirkung. „Es ist Gefahr in Verzug. Das gesamte Dach ist betroffen. Die Dachkonstruktion ist verbogen und verschoben“, unterstreicht Körber.

Die Innendecke der Kirche sei keine tragende Decke, sondern eine Holzverkleidung. Ziegel oder Balken könnten bei Einsturz ins Kircheninnere durchbrechen. Das Gutachten liegt der Bauabteilung des Bistums Fulda vor. „Das kam für uns alle überraschend“, betont auch Olbrich.

Kosten für Reparatur zu hoch

Es müsste der komplette Dachstuhl erneuert werden, die Kosten lägen bei 430 000 Euro. „Eine Reparatur ist nicht möglich, da der Schaden zu massiv ist.“ Zu diesem Schluss kommen die Experten.

Körber beschreibt weiter: Zum einen ist dies der Nachkriegs-Leichtbauweise geschuldet, zum anderen wurden in den Achtzigerjahren neue Ziegel aufgelegt, die für diese Konstruktion zu schwer sind.

Gebäude könnte nur vorübergehend gerettet werden

Ein Provisorium für drei Jahre würde aus der Kirche eine Baustellenkirche machen: Die Kircheninnenraum-Decke müsste im Abstand von je einem Meter geöffnet werden, Streben (die an die Dachkonstruktion fixiert würden) bündeln sich auf Säulen, die in der Kirchen-Innenraum die Dachkonstruktion stützen.

Die Säulen würden im Abstand von drei Metern stehen, in zwei (parallelen) Reihen nebeneinander. Im Gemeindesaal, der unter dem Kirchenraum ist, müssten ebenfalls Streben aufgestellt werden. Dieses Provisorium – maximale Nutzung der Kirche für drei Jahre – würde 45 000 Euro kosten. Das Provisorium müsste bereits vor dem Winter eingebaut werden.

Vor einem Altar stehen Körbe, die mit Gemüse und Obst gefüllt sind.
Einen solchen Erntealtar wird es in St. Adalbert nicht mehr geben. © Privat

Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat stimmten für die Schließung

Mit dem Verwaltungsrat gab es einen Termin, in dem die Ingenieure das Gutachten vorstellten. Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates wurden in deren Sitzung in Kenntnis gesetzt und ein Meinungsbild eingeholt. Die Gläubigen wurden im Anschluss an die Gemeindemesse zu einer Gemeindeversammlung eingeladen, in der ein Ingenieur den Sachstand erläuterte.

In der vergangenen Woche fand eine Sitzung des Verwaltungsrates statt, in welcher der Pfarrgemeinderat angehört worden ist. Der Pfarrgemeinderat stimmte einstimmig für eine Schließung und Profanierung Entweihung der Kirche.

Das Foto zeigt Klemens Olbrich.
Klemens Olbrich, Verwaltungsrat © Privat

Der Verwaltungsrat hat daraufhin einen entsprechenden Beschluss formuliert und ebenfalls einstimmig beschlossen. Die Schließung und Profanierung wurde vor Kurzem beim Bischof beantragt, teilt Körber mit. Die Herstellung der Verkehrssicherheit wird momentan mit der Bauabteilung des Bistums besprochen.

Katholische Gottesdienste in der evangelischen Kirche

Neukirchen wird als Gottesdienstort erhalten bleiben. „Wir sind mit der evangelischen Kirchengemeinde im Gespräch“, erklären Olbrich und Körber übereinstimmend. „Unsere Gemeinde bittet darum, die katholischen Gottesdienste ab Januar 2023 in der evangelischen Kirche beziehungsweise im Gemeindesaal feiern zu dürfen.“

Der Termin des Profanierungsgottesdienstes steht zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest und wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Was aus dem Gebäude werden wird, ist ungewiss. Ein Verkauf wird beabsichtigt. Das Amt für Bodenmanagement in Homberg wurde vor Kurzem mit der Erstellung eines Verkehrswertgutachtens beauftragt.

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