Rentner musste sich vor dem Amtsgericht in Treysa wegen Beleidigung verantworten

Tote Ratten im Briefkasten

Treysa. Kürzlich musste sich ein 74-jähriger Rentner vor dem Amtsgericht in Treysa wegen Beleidigung verantworten. Laut Staatsanwaltschaft Marburg hatte der Mann Ende vergangenen Jahres einer Frau mindestens zweimal eine tote Ratte in den Briefkasten geworfen. Dank Videoüberwachung wurde er nach einer Attacke mit Mayonnaise eindeutig identifiziert.

Der Angeklagte gab die Taten unumwunden zu. Es sei aber keine Beleidigung gewesen, sondern vielmehr eine Revanche, erklärte der Mann. Außerdem würde er gegen das Verfahren Einspruch einlegen.

Schon hier wurde überdeutlich, dass es sich bei dem Rentner um einen zutiefst verbitterten und zornigen alten Mann handelte. Immer wieder stilisierte sich der bereits in der Vergangenheit wegen zahlreicher Delikte mehrfach vorbestrafte 74-Jährige als Opfer: „Das Ganovenvolk in der Schwalm hat mich in die Kriminalität getrieben.“

Bei der Befragung des Richters nach den Hintergründen zur Tat schweifte der Mann in lange Monologe ab, welche im Grunde nichts zur Sache beitrugen.

Er sei schon seit Jahren das Ziel einer ungerechtfertigten Kinderschänderkampagne, sagte der Rentner: „Wo ich wohnte ist die Hochburg der Rufmörder. Die Gerüchteküche war die Hölle.“

Rolle der Rufmörderin

An seinem neuen Wohnort habe nun die von ihm mit den toten Ratten bedachte Frau die Rolle der Rufmörderin übernommen – und daher habe er sich mit den Ratten, Rollmöpsen und Mayonnaise im Briefkasten nur gewehrt. „Ich soll bestraft werden und sie nicht“, fragte der Rentner das Gericht innerlich brodelnd. „Wenn Sie sagen, dass das alles stimmt, aber nicht bestraft werden wollen, ist das doch sehr widersprüchlich“, gab der Richter daraufhin zu bedenken.

Opfer war erschüttert

Das Opfer des Rentners zeigte sich von allem noch immer sichtlich erschüttert. Sie würde den Mann nur vom Sehen her kennen und wüsste noch nicht einmal den Namen, berichtete die Krankenschwester im Zeugenstand. Als sie die Ratten gefunden habe, habe sie geschrien und sei erst einmal fünf Schritte zurückgewichen, erzählte die Frau: „Da macht man sich Gedanken. Was will man mir damit sagen?“

Infolge des regelrechten Psychoterrors habe sie sogar die Namensschilder von Klingel und Mülltonne entfernt. „Das war ganz schlimm für mich“, schilderte die Frau dem Gericht.

Mahnung mit Haftstrafe

Im Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft für den Mann eine Geldstrafe von 400 Euro. Der Angeklagte sei schuldig, aber nicht schuldeinsichtig, stellte die Staatsanwältin angesichts des aufgewühlten Rentners nüchtern fest. Der Richter folgte dem Antrag der Anklage und verurteilte den 74-Jährigen wegen Beleidigung. „Hoffen wir, dass das hiermit zu Ende ist. Das sollten Sie lassen, sonst wird es teuer oder es kann auch wieder eine Haftstrafe geben“, mahnte der Jurist den Angeklagten.

Eine Mahnung, die augenscheinlich wenig fruchtete. Schon auf dem Weg aus dem Saal lieferte sich der Mann ein heftiges Wortgefecht mit der Familie des Opfers.

Von Matthias Haaß

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.