HNA-Nachruf: Karl Lepper formte den „Stern“ – Er starb im Alter von 84 Jahren

Tourismus-Pionier tritt ab

Aufnahme zu seinem 80. Geburtstag: Karl Lepper. Archivfoto: Marth

Oberaula. Er hatte das heutige Flair-Hotel Zum Stern in Oberaula 1961 als kleinen Gasthof übernommen. Inzwischen gehören zum Stern – lange Zeit einziges Vier-Sterne-Haus im Schwalm-Eder-Kreis – 68 Zimmer, Restaurant, Apartments, Gästehaus, ein halbes Dutzend Tagungsräume, Hallenbad, Saunen, Wellness und Spa sowie eine große Parkanlage. Aber Lepper war auch führender Tourismus-Pionier der Region.

Geboren wurde Karl Lepper 1931 in Frielingen bei Kirchheim auf einem Bauernhof mit Mühle. Die Klosterschule in Bad Hersfeld musste er abbrechen, um Vater und Bruder in den Kriegsjahren in der heimischen Landwirtschaft zu vertreten.

Als der Bruder Hans spät aus Gefangenschaft zurückkehrte, nahm er das Angebot seines Onkels in Oberaula an, sein Nachfolger in dessen Gaststätte zum Stern zu werden. Mit seiner frisch angetrauten Frau Katharina Louise zog er 1958 dorthin, er übernahm den Stern im Frühjahr 1961 im Alter von 30 Jahren.

Lepper begann augenblicklich, den Betrieb auszubauen, richtete Fremdenzimmer ein, erwarb ein Grundstück mit Scheune, um Schweinemast zu betreiben. 1966 gab es die Kegelbahn, die Gaststätte bot 120 Sitzplätze, 1972 entstand das Gästehaus mit Hallenbad und Sauna. Immer weiter entwickelte Lepper das Haus, kaufte hinzu, baute aus und um.

Und er richtete seinen Blick auf die Attraktivität im Umfeld, unterstützte den Bau der Tennishalle und, 1988, den des Golfplatzes in Oberaula. Er stellte die nötigen Verbindungen zu Baron Hans-Eppo von Dörnberg als alleinigem Grundbesitzer und zu seinem Schulkameraden und langjährigen Freund Peter Bickhardt her.

Auch mit 60 Jahren war Karl Lepper noch kein bisschen müde, kaufte den benachbarten Bauernhof hinzu, um ein neues Bettenhaus und Tagungsräume zu schaffen. Auch in den Folgejahren wurde kontinuierlich modernisiert und erweitert.

Die Auszeichnung mit vier Sternen nahm 2001 Landrat Hasheider vor – zu Leppers 70. Geburtstag. Und immer wurde weiter ausgebaut. Daneben fand Lepper Zeit für die Vorstandsarbeit im Verkehrs- und Gewerbeverein Oberaula, bald erhielt der Ort das Prädikat Luftkurort. Auch im Vorstand des Hotel- und Gaststättenverbands und beim Tourismusverband Kurhessisches Bergland stand Lepper ganz vorn.

Am Samstag ist Karl Lepper im Alter von 84 Jahren gestorben. Wenige Tage hatte er zuvor unerklärlich gekränkelt, berichtete Tochter und Nachfolgerin Elke Lepper. Das bestellte Pflegebett benötigte er nicht mehr.

Obwohl er mit 76 Jahren mit der Diagnose Alzheimer konfrontiert wurde, war er bis zuletzt allabendlich im Hotel anzutreffen gewesen, „in Schlips und Kragen“. Seitens der Gäste sei ihm fast immer viel Freundlichkeit und Nachsicht entgegen gebracht worden, so Elke Lepper. Das Verständnis für die Krankheit sei eben gerade in den letzten Jahren erfreulich gewachsen. Die Mitarbeiter hätten ihrem Seniorchef bis zum Schluss ihre Ehrerbietung entgegen gebracht. (aqu)

• Die Beerdigung ist am heutigen Donnerstag, 1. Oktober, 14 Uhr, von der evangelischen Kirche Oberaula aus.

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