Als junge Menschen waren sie Vertriebene in der Schwalm – Ihr Schicksal bleibt lebendig

Treffen der Zeitzeugen

Treffen ehemaliger Wasenberger in Trutzhain: links Richard Schmidt hatte seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker in Oberaula absolviert und wanderte 1953 in die Schweiz aus. Elisabeth Buchmann, geb. Schmidt (Mitte) hatte gleich nach dem Zweiten Weltkrieg im Haus Gömpel in Treysa eine Schneiderlehre absolviert, rechts ihr Mann Josef Buchmann. Foto: privat/Archiv

Schwalmstadt/willingshausen. Für das Buch „...angekommen!“ hatte das Treysaer Ehepaar Gömpel den Austausch mit vielen Menschen gesucht, die wie Marlene Gömpel nach dem Krieg zur großen Gruppe der Ankommenden im heutigen Schwalm-Eder-Kreis zählten (HNA berichtete). Nun kam es zu einem Treffen mit drei Zeitzeugen, die als junge Menschen vorübergehend in Wasenberg zu Hause waren.

15 Monate auf der Flucht

Wie Horst W. Gömpel berichtet, hatte sich Elisabeth Buchmann, geb. Schmidt im Mai 1945 zusammen mit drei weiteren Mädchen aus dem Ort Lerchenfeld im Altvatergebiet/Sudetenland auf die Flucht begeben, ihre abenteuerlichen Erlebnisse sind in „...angekommen!“ nachzulesen. Durch den Suchdienst des Schweizer Roten Kreuzes erhielt sie die Information, dass ihre Eltern mit einem Transport im Februar 1946 in Treysa angekommen waren und in Wasenberg wohnten. Nach einer Odyssee von 15 Monaten fanden Elisabeth und ihre Schwester ihre Familie wieder. Mit dem Schneiderhandwerk hatte die junge Frau in ihrer alten Heimat begonnen, im Haus Gömpel in Treysa schloss sie ihre Lehre 1948 ab und blieb noch zwei Jahre als Gesellin in dem Betrieb.

Recherchen zum Buch

Während der Recherchen zu ihrem Buch erinnerte sich Horst W. Gömpel an sie und fand ihren heutigen Wohnort heraus, schließlich kam es nach über 65 Jahren zum Wiedersehen in der Schwalm. Dabei haben die Treysaer den Besuchern aktuelle Fotos aus deren Geburtsorten Lerchenfeld und Niklasdorf zeigen können, die sie bei ihrer Erkundungsreise 2013 für ihr Buch ins Altvatergebiet und ins Riesengebirge aufgenommen hatten.

Arbeit über Opa

Ein weiterer Gast war Richard Schmidt, der als Vertriebener ebenfalls in Wasenberg unterkam und in Oberaula seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolvierte. 1953 war er dann in die Schweiz ausgewandert, seine Erinnerungen hat sein Enkel Cyrill Schmidt unter dem Titel „Täter werden zu Opfern“ als Studienarbeit niedergeschrieben.

Tabuthema aktualisieren

Diese Arbeit kann bei Horst W. Gömpel eingesehen werden. Der Schwalmstädter ist der Ansicht, dass sie ein „Vorbild für hiesige Schulen sein sollte, um das Wissen um Flucht und Vertreibung der Erlebnisgeneration in Erinnerung zu halten. Ein jahrelanges Tabuthema würde damit aktualisiert“. Wegen der „großen Geschichtswissenslücke über Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten ist es wichtig, dass sich die Nachfolgergenerationen der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aufnehmenden für das harte Schicksal ihrer Vorfahren intensiver interessieren und sich damit auseinandersetzen.“ (aqu)

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