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A49 bei Treysa: Sicherheit in nordhessischem Autobahn-Tunnel getestet

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Von: Matthias Haaß

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Beim Brandversuch kam medizinisches Weißöl zum Einsatz. Der daraus gemacht Nebel ist ungiftig und kommt den Eigenschaften von Rauch sehr nahe.
Beim Brandversuch kam medizinisches Weißöl zum Einsatz. Der daraus gemachte Nebel ist ungiftig und kommt den Eigenschaften von Rauch sehr nahe. © Matthias Haaß

Wie sicher ist der A49-Tunnel bei Treysa im Ernstfall? Das wurde nun mit zwei simulierten Szenarien getestet.

Treysa – Es ist wohl eine Horrorvorstellung für jeden Autofahrer. Man steht mit seinem Wagen in einem Tunnel im Stau und es brennt. Damit sich die Menschen in so einer Extremsituation retten können, steckt im A49-Tunnel in Treysa (Stadtteil von Schwalmstadt im Schwalm-Eder-Kreis) eine Menge Sicherheitstechnik.

Insgesamt wurden nach Angaben von Meik Poehse, Baubevollmächtigter der „Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH“ (DEGES) 10 Millionen Euro verbaut. Um im Ernstfall eine reibungslose Funktion gewährleisten zu können, wurde in dieser Woche ein Tag lang getestet.

In beiden Röhren simulierten die Fachleute einen Pkw-Brand mit Feuer und Rauch. Dabei handelte es sich – wie könnte es in Deutschland auch anders sein – um einen genormten Versuchsaufbau. Beteiligt waren verschieden Behörden, darunter auch Polizei, Feuerwehr, das Fernstraßenbundesamt, natürlich die beteiligten Firmen und Lüftungssachverständige.

Sicherheitstests im A49-Tunnel bei Treysa: Ventilatoren springen rechtzeitig an

Wie entscheidend solch ein Test für ein Großprojekt sein kann, zeige das Beispiel des Flughafen BER (Berlin/Brandenburg), dort hatten Probleme mit dem Brandschutz und der verbauten Sicherheitstechnik zu massiven Zeitverzögerungen geführt, weiß Bernhard Klöpfel, der Leiter der Außenstelle Kassel der „Die Autobahn GmbH des Bundes“.

Bernhard Klöpfel Außenstellenleiter
Bernhard Klöpfel Außenstellenleiter © Haaß, Matthias

Im Frankenhainer Tunnel zeigten sich die Fachleute zufrieden. Theorie und Praxis passen nach Angaben der Verantwortlichen zusammen.

Wie in den Normen gefordert, sprangen 60 Sekunden nach Ausbruch des simulierten Brandes die starken Ventilatoren an der Tunneldecke an und beförderten Rauch und Hitze nach draußen. Parallel wurden die Rettungskräfte verständigt, der gesamte Tunnel für nachfließenden Verkehr gesperrt. Lautsprecherdurchsagen im und vor dem Tunnel gaben Verhaltenshinweise – ein Rädchen griff ins andere.

Die für den Sommer geplante Freigabe des Streckenabschnitts sei nicht gefährdet. Der Test war ein wichtiger Meilenstein, so Klöpfel im Gespräch mit der HNA: „Was lange wärt, wird endlich gut. Wir sehen der Verkehrsfreigabe optimistisch entgegen.“

Was lange wärt, wird endlich gut. Wir sehen der Verkehrsfreigabe optimistisch entgegen.

Bernhard Klöpfel

A49-Tunnel bei Treysa: Technik-Test für die Überlebenschance

Brandtote sind oft Rauchtote. Bevor ein Mensch verbrennt, ist er oft am giftigen Rauch erstickt. Wer schon einmal einen brennenden Pkw gesehen hat, weiß, wie viel Rauch entsteht. In einem Tunnel wird das schnell zum Problem, denn auf natürliche Weg kann der Rauch nicht abziehen, sondern füllt die Röhren – überraschend schnell. In diesem Fall muss Technik zum Einsatz kommen, damit Betroffene überhaupt eine Überlebenschance haben.

Mit mehreren großen Lüftern kann Rauch aus dem Tunnel geblasen werden.
Mit mehreren großen Lüftern kann Rauch aus dem Tunnel geblasen werden. © Haaß, Matthias

Es ist nicht nur eine theoretische Gefahr, sondern es passiert immer wieder: Im Oktober 2001 kam es beispielsweise nach einem folgenschweren Unfall im Gotthard-Straßentunnel in der Schweiz zu einem verheerenden Brand mit elf Toten. Damit das im A49 Tunnel bei Treysa nicht passiert, wurden Abläufe und Technik getestet.

Sicherheitstests im A49-Tunnel bei Treysa: Zwei Szenarien werden simuliert

Zum Einsatz kam dabei Propangas und Nebel aus medizinischem Weißöl. „Wir wollen den Tunnel ja nicht beschädigen“, erklärt der Außenstellenleiter der „Die Autobahn GmbH des Bundes“ in Kassel, Bernhard Klöpfel. Laut Norm ist es ein Brand mit fünf Megawatt Brandlast, der innerhalb von 60 Sekunden von der Brandmeldeanlage erkannt werden muss.

Man simuliere dabei zwei Szenarien, sagt Klöpfel. Im ersten Fall gehen die Fachleute von einem Unfall ohne tunnelfüllenden Stau aus. Vor dem brennenden Auto ist kein Verkehr mehr, die Pkw stauen sich hinter der Unfallstelle. In diesem Fall müssen Rauch und die Hitze von den Menschen weggedrückt werden.

Sicherheitstests im A49-Tunnel bei Treysa: Rettung in die zweite Röhre

Im zweiten Szenario hat sich, aus welchen Gründen auch immer, über die gesamte Länge der Tunnelröhre ein Stau gebildet und mittendrin entsteht ein Brand. Jetzt einfach die großen Lüfter an der Tunneldecke auf volle Leistung zu stellen wäre kontraproduktiv. Die Technik unterstützt in diesem Fall die natürliche Rauchschichtung und sorgt dafür, dass der Rauch an der Decke entlang nach draußen abgeführt wird. „Wichtig ist es, dass da wo Menschen sind, es möglichst raufrei ist“, erklärt der Außenstellenleiter.

Die Versuche wurden mit Messgeräten aufgezeichnet. Im Bild IFI-Mitabeiter Dieter Mengels.
Die Versuche wurden mit Messgeräten aufgezeichnet. Im Bild IFI-Mitabeiter Dieter Mengels. © Mathias Haass

Egal welches Szenario, die redundant verbaute Technik ist zunächst immer für die Selbstrettung der betroffenen Personen im Tunnel da. Die Feuerwehr kann dann im weiteren Verlauf die Lüfter natürlich zielgerichtet einsetzen, um zum Beispiel den Angrifsweg rauchfrei zu bekommen. Der große Vorteil des Tunnels in Treysa, ist die Tatsache, dass er aus zwei Röhren besteht. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass im Fall der Fälle nur eine Röhre betroffen ist und sich die Menschen in die Nachbarröhre retten können. (Matthias Haaß)

Durchfahrt für die Feuerwehr

Der A49-Tunnel zwischen Treysa und Frankenhain ist gut 900 Meter lang und besteht aus zwei Röhren. Zwischen den Röhren gibt es zwei Querstollen für Menschen und einen großen Querschlag für Rettungsfahrzeuge. Um eine Rauchausbreitung zwischen den Röhren zu verhindern, werden die Durchgänge nicht nur mit Türen bzw. Toren verschlossen, sondern zusätzlich unter einen leichten Überdruck gesetzt. Eine Selbstrettung ist auch in Rettungsnischen möglich.

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