Geldstrafe für Drängler im Straßenverkehr

Amtsgericht Schwalmstadt: 37-Jähriger wegen Nötigung im Straßenverkehr vor Gericht

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Geldstrafe für Drängler im Straßenverkehr

Treysa. Ein rabiater Drängler, ein Kind, das in einem kritischen Zuckerstadium gewesen sein soll und wechselseitige Vorwürfe bei der Polizei – ein solcher Fall landete kürzlich vor dem Amtsgericht in Treysa.

Einem 36-Jährigen aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis wurde vorgeworfen, einer Frau in ihrem Auto am 16. Mai 2017 auf der Landstraße zwischen Neukirchen und Görzhain mit seinem Pkw allzu dicht aufgefahren zu sein und sie so bedrängt zu haben.

Der Angeklagte ist Ehemann, Vater von zwei kleinen Töchtern und arbeitslos. Zuerst fehlen ihm vor Gericht die Worte, er stammelt, dann das Geständnis, „ich hab’s ja gemacht“.

Für eine angemessene Bestrafung wollte der Richter nun den Hintergrund der Tat verstehen. Er habe schnell nach Hause gemusst. „Die Tochter auf dem Rücksitz war mit Zucker im roten Bereich“, erzählt der Angeklagte. Warum er nicht vorbereitet ist auf so einen Fall – darauf gab es keine Antwort. Und auch nicht darauf, wozu das dichte Auffahren nützen sollte. „Dadurch werden Sie auch nicht schneller“, so der Richter.

Dann ist der Gang zur Polizei nach dem Vorfall Thema. Beschuldigter und Opfer waren gar zur gleichen Zeit auf dem Polizeirevier und zeigten sich gegenseitig an.

Der Angeklagte behauptete damals, er sei von der Frau zuvor im Begegnungsverkehr fast von der Straße gedrängt worden. Deshalb habe er gewendet und sie nur zur Rede stellen wollen. Allerdings stellt sich dies am Verhandlungstag als gelogen heraus. Doch aus welchem Grund? So richtig weiß dies der Angeklagte selbst nicht. Und der Verteidiger resigniert:„Wir müssen damit leben, Unsinn erzählt zu bekommen.“ Jetzt gehe es ihm nur noch um Schadensbegrenzung.

Zumal, wie sich herausstellt, Opfer und Täter in direkter Nachbarschaft leben. Nur ein Haus trennt die beiden Familien voneinander, berichtet der Angeklagte. Seit dem Vorfall gehe man sich aber aus dem Weg. Ein Täter-Opfer-Ausgleich sei gescheitert, weil die Bedrängte womöglich selbst zur Täterin geworden sei. Sie habe den beiden Töchtern des Angeklagten gedroht. Doch das steht mit drei bis vier anderen Verfahren in Zusammenhang, sodass der Richter das Thema nicht weiter verfolgt.

Arbeitsstunden könne er nicht übernehmen, sagt der 36-Jährige, arbeiten dürfe er nämlich nicht. Er sei von einem Arzt krankgeschrieben worden. Warum genau weiß er nicht. Die Akte? Verloren gegangen.

Der Staatsanwalt zweifelt die Begründung des Dränglers zwar an, doch weil es ein Geständnis gibt, geordnete Familienverhältnisse bestehen und auch die Frau des Angeklagten arbeitslos ist, ist er für eine moderate Ahndung. Das hält auch der Verteidiger für angemessen. Der Richter weist noch mal auf die Sinnlosigkeit hin, anderen Autofahrern auf der Strecke durch drängeln Angst zu machen. Die Strafe: 30 Tagessätze zu je 15 Euro.

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