Auch Musiker und Büttenredner

Bernd Adam tritt als Johannismann im Treeser Karneval auf

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Ähnlichkeit durchaus vorhanden: Dr. Bernd Adam schlüpft seit drei Jahren in die Rolle des Johannismannes , hier mit der Figur im Treysaer Rathaus. 

Treysa. Dr. Bernd Adam schlüpft seit drei Jahren in die Rolle des Johannismannes. Er beleuchtet ironisch, scharf und schonungslos das Stadtgeschehen. 

„Büttenreden im Karneval sollen unter die Haut gehen, nicht unter die Gürtellinie“, sagt Dr. Bernd Adam. Und der Treysaer Apotheker muss es wissen – seit vielen Jahren ist der 51-Jährige im Karneval engagiert. Als Musiker und Büttenredner. 

Seit drei Jahren schlüpft er außerdem in die Rolle des Johannismannes, eine Treeser Figur, die in den 1970er-Jahren von Karl Zulauf quasi vom Brunnen vor dem Rathaus gehoben wurde. Der Sage nach soll Johannes Ruhland 1683 die erste Wasserleitung nach Treysa gebaut haben.

Adam, dessen Vorgänger im närrischen Amt Günther Felgenhauer, Karl-Heinz Trebing und Christian Jatzko waren, beleuchtet als Johannismann generös und genüsslich das Stadtgeschehen. Ironisch, scharf und schonungslos.

Keine Scherze über Minderheiten

Was aus der Feder des Treysaers stammt, passiert aber zunächst den Büttenrednerausschuss. „Im Austausch werden die Themen besprochen, denn bei so vielen Gruppen soll es beim Programm nicht zu Überschneidungen kommen“, berichtet Mitglied Georg Herche. Tabu sind Scherze über Minderheiten und Beleidigungen.

Während Büttenredner Udo Lohr eher fürs Politische zuständig ist, wetzt der Johannismann seine Zunge an Lokalem, Kajo Freischem steht für die „Kokolores-Büttenrede“. Die perfekte Atmosphäre fürs Reimen bietet sich Adam regelmäßig im Nachtdienst. 

Da kommt es nicht selten vor, dass zu nachtschlafender Zeit die Telefone der Ausschussmitglieder klingeln – „weil Bernd noch Publikum braucht“. Denn der kreative Kopf gibt zu bedenken: „Wenn man selbst eine Büttenrede schreibt, ist sie irgendwann für einen selber nicht mehr witzig“, erklärt der 51-Jährige.

Ein Mainzer als Vorbild

Steht das Konzept in Reimform, trainiert Adam seine Darbietung: „Ich notiere mir, ganz ähnlich wie in der Musik eine Punktierung, genau, was ich wie betonen möchte.“ Unerlässlich sei aber der Blick ins Publikum: „Auf ihre Reaktionen muss man im Bestfall reagieren“, sagt der Treysaer. Der 51-Jährige hat hohe Ansprüche an sich selbst: „Ich schaue und höre mir alte Karnevalssendungen an, Vorbild ist etwa der Mainzer Rolf Braun.“

Zum perfekten Auftritt gehört die stilechte Kleidung. Dazu hat Adam im Internet eine sogenannte Zischägge – bekannt als Husarische Haube – ersteigert und den Reiterhelm ordentlich aufpoliert. Die Figur umhüllen Brust-, Arm- und Beinpanzer.

Wie im Korsett fühlt sich der 51-Jährige weder im Kostüm noch im Karnevalsverein: „Es geht witzig, aber mit der nötigen Disziplin zu. Mein Ziel ist es, die Leute mit gefälligen Reimen mitzunehmen und zu unterhalten – die Pointe darf nie fehlen.“  

Zwei Prunksitzungen in der Festhalle

Das Karnevalskomitee der Liedertafel Treysa lädt zu den Prunksitzungen in die Festhalle nach Treysa ein am:

  • Samstag, 23. Februar
  • Samstag, 2. März

Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

 Karten gibt es noch in der Wäscheetage Schäfer (Bahnhofstraße). Die Preise: Saal 19 Euro, unter der Empore 13 Euro, Empore, 1. Reihe 19 Euro, Gruppenermäßigung ab acht Personen (1. Sitzung) ab mittlerer Quergang nach hinten 15 Euro, unter der Empore 11 Euro. Kinderkarneval ist am Sonntag, 3. März, ab 14 Uhr, Erwachsene 5 Euro, Kinder 2 Euro (ausschließlich Tageskasse). 

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