48-Jähriger war am helllichten Tag übergriffig geworden

Sexuelle Belästigung: Bewährungsstrafe für Mann aus dem Altkreis Ziegenhain

Treysa. Wegen sexueller Belästigung musste sich ein Mann aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Amtsgericht Schwalmstadt verantworten.

Bei dem Angeklagten handelte es sich um einen abgelehnten Asylbewerber aus Pakistan mit geduldetem Aufenthalt.

Laut Anklageschrift hatte der 48-jährige Mann im vergangenen Sommer gegen Mittag in Treysa am Damm eine junge Frau unter Ausnutzung des Überraschungsmoments an den Händen und im Dekolleté geküsst sowie an die Brust gefasst. Erst als die Frau laut „Nein“ gerufen habe, habe der Angeklagte abgelassen, so die Staatsanwaltschaft.

Der von einem Dolmetscher und drei Bekannten begleitete Mann verfolgte die Verhandlung in sich gesunken mit gesenktem Blick. Augenscheinlich schien er sich seiner Tat bewusste zu sein, vermochte die Folgen aber nicht einzuschätzen. In seiner Heimat habe er Frau und Kinder, erzählte der 48-Jährige und gab an, dass er sich schäme.

Er sei auf die Frau zugegangen, weil sie nett gelächelt habe, sagte der Mann: „Ich lobte sie für ihre Schönheit und sie hat sich gefreut.“ Auch als er ihre Hand geküsst habe, habe sie immer noch gelächelt, so der Angeklagte weiter: „Ich küsste ihre Wangen und sie hat immer noch nicht Nein gesagt. Als ich ihre Brust geküsst habe, hat sie Nein gesagt. Ihren BH habe ich nicht angefasst.“ Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft gab der Mann zu, dass er die Haut der Frau im Ausschnitt mit den Lippen berührt habe. Er könne sich nicht mehr erklären, wie es zur Tat gekommen sei, meinte der 48-Jährige.

Zunächst gefasst, später aber aufgewühlt, berichtete das 19-jährige Opfer von dem Vorfall. Sie sei mit ihrem Hund spazieren gegangen, so die Frau: „Er sprach mich an und machte mir Komplimente. Er schien nicht bedrohlich und ich war freundlich.“ Der Übergriff sei wie aus heiterem Himmel gekommen und der Angeklagte habe sie auch am Brustansatz geküsst, erinnerte sich die junge Frau und konnte die Tränen nicht länger verbergen. Das Vorgehen des Mannes sei gezielt gewesen, betonte die 19-Jährige und fügte stockend an, dass sie den Tatort seit dem Angriff meide.

In der Sache sei die Tat ein überfallartiges Geschehen zu einer untypischen Tatzeit gewesen, erklärte ein Polizeibeamter: „Das wird von uns schon als schwerwiegend eingeordnet. Es hätte ja auch ganz anders ausgehen können.“ Besonders die Ausnutzung des Überraschungsmoments sei verwerflich, betonte die Staatsanwaltschaft und forderte eine Haftstrafe.

Das Gericht sah es genauso und verurteilte den Mann zu einem Jahr Haft. Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Bewährungsauflage muss der 48-Jährige unter anderem 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Es stehe außer Frage, dass es sich bei den Taten um sexuelle Handlungen gehandelt habe, so der Richter. Es sei eine Frechheit, jemanden beim Spaziergang am Damm zu belästigen, sagte der Vorsitzende: „Das war schon sehr dreist.“

Hintergrund: Auswirkung auf Duldungsstatus

Als Duldung wird die Bescheinigung über eine „vorübergehende Aussetzung der Abschiebung“ ausreisepflichtiger Ausländer bezeichnet. Eine Duldung kann für wenige Tage oder auch einige Monate ausgestellt werden. Eine Duldung erlischt laut Gesetzestext, wenn der Betroffene wegen einer im Bundesgebiet begangenen vorsätzlichen Straftat verurteilt wurde, wobei Geldstrafen von bis zu 50 Tagessätzen oder bis zu 90 Tagessätzen außer Betracht bleiben. Da er eine Bewährungsstrafe erhalten hat, muss der 48-Jährige möglicherweise mit seiner Abschiebung rechnen. 

Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung; Bundesministerium der Justiz

Rubriklistenbild: © dpa

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