Hauptmann klärt auf

Bundeswehrbegriffe erklärt: Der Soldat im Schlumpftarn

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Mit Flöffel und knitterfreier Kopfbedeckung: Hauptmann Jens Mattheis macht ein Praktikum in der Schwälmer Redaktion und erklärt die Soldatensprache. In der Hand hält er einen Löffel mit angeklebtem Feuerzeug (Flöffel) auf dem Tisch liegt sein Helm (knitterfreie Kopfbedeckung).

Von „Ackerschnacker“ bis „Schlumpftarn“: Jens Mattheis kennt sich aus. Der 31-Jährige ist Soldat, lebt im Gilserberger Ortsteil Lischeid und ist einer von vier hessischen Jugendoffizieren.

Als Bundeswehr-Öffentlichkeitsarbeiter absolviert er ein Praktikum in der Schwälmer HNA-Redaktion. Das nutzen wir zur Aufklärung über die besondere Sprache, die hinter Kasernenmauern gesprochen wird.

Im Gespräch mit Mattheis wird schnell klar, dass der Soldat mindestens drei Sprachen beherrschen muss. Da gibt es die offiziellen Begrifflichkeiten, die sehr vom Aküfi (Abkürzungsfimmel) beherrscht werden. An der Kurzform BeauftrSdAufgBwNL scheitert sogar der Hauptmann. Das heißt „Beauftragter für Sonderaufgaben im Bereich der Bundeswehr in den Neuen Ländern“, muss er verblüfft feststellen.

Mattheis, der seit seinem Abitur am Schwalmgymnasium in Treysa bei der Bundeswehr ist, meint, man wolle die Erklärung einer Funktion oder eines Gerätes auf diese Weise ganz besonders auf den Punkt bringen – eine spezielle Treffsicherheit erzeugen. Der Hauptmann nennt Beispiele: Damit kein Zweifel daran aufkommt, was ein geländegängiger Gabelstapler ist, nennt die Bundeswehr das Fahrzeug FUG – Feldumschlaggerät“. Und damit feststeht, was ein T-Shirt oder Unterhemd ist, heißt das bei der Truppe „Unterziehhemd, oliv, kurzer Ärmel, Einschicht“.

Inoffizielle humoristische Sprache

Spätestens als das Redaktionsgespräch beim FFOB/ZB angelangt ist, wird klar, warum sich innerhalb militärischer Kreise eine weitere Kommunikationsform entwickeln musste – eine inoffizielle Sprache, mit denen die offiziellen Begrifflichkeiten zwar humoristisch, aber genauso treffend bezeichnet werden: „Als Ackerschnacker wird der ‘Feldfernsprecher, Ortsbatterie/ Zentralbatteriebetrieb’ unter Soldaten genannt“, erklärt Mattheis den FFOBZB.

Teilweise werden Begriffe des Soldatenjargons seit Generationen benutzt. Dazu zählt Mattheis zum Beispiel die „Dackelgarage“: Jeder Soldat trägt in Form einer Zeltbahn nur ein halbes Zelt bei sich und benötigt einen zweiten Mann, um komplett überdacht campieren zu können.

Flöffel spart Ausrüstung 

Zu den flapsigen Aussprüchen rechnet der Lischeider auch KZH bis DZE: Krank zu Hause bis Dienstzeitende. Unübertroffen der „Flöffel“. Das ist laut Mattheis ein Löffel, an dessen Stielende mit Panzerband (olivfarbenes Klebeband) ein Feuerzeug befestigt ist. Das spare Ausrüstung im Gelände, erklärt der Soldat. „Ein komplettes Essbesteck ist nicht nötig, mit dem Feuerzeug wird der Esbitkocher angezündet.“

Außerhalb der Kasernenmauern greifen die humoristisch gemeinten Soldatenbegriffe weniger. Deshalb sollte sich der Soldat auch in allgemeingültiger Kommunikation auskennen. Allerdings machen sich die Militärs auch im Privatleben nicht ganz frei davon. Mattheis weiß von den Kommandos der Ehefrau eines ehemaligen Vorgesetzten: „Aufsitzen, wir verlegen in den Supermarkt.“

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