Musikalische Fantasiereise mit Saxophonquartett Clair Obscur

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Gastspiel in der Hospitalkapelle: Das Saxophonquartet Clair Obscur mit von links Christoph Enzel, Kathi Wagner, Maike Krullmann und Sascha Doroshkewitch beim Konzert in Treysa.

Treysa. Voluminös eröffnete der Verein Hospitalkonzerte seine Programmreihe für das Jahr 2017 mit dem Saxophonquartett Clair Obscur. Die vier Musiker unternahmen mit dem Publikum eine musikalische Reise durch das Berlin im Januar 1932.

Sie bestimmten als Startpunkt das Theater am Schifferbauerdamm und eröffneten mit der „Ouvertüre“ aus der Dreigroschenoper von Kurt Weil und Berthold Brecht, gefolgt vom damaligen Gassenhauer „Mackie Messer“. Christoph Enzel am Tenorsaxophon begann mit tiefen warmen Tönen die Singstimme anzuspielen, die Maike Krullmann mit ihrem Altsaxophon übernahm. Wer den Text kannte, war kurz davor mitzusingen, so sehr klangen die Töne nach Gesang.

Beim „Kanonensong“ breitete sich in der Hospitalkapelle eine unwirkliche Stimmung aus. Das schnelle Stück wirkte, als prasselten die Schüsse auf das Publikum ein und die Saxophonspieler ließen mit ihren unvollständigen Akkorden die Gefühle wie Angst und Panik spürbar werden.

Durch das kalte Berlin ging die Fantasiereise mit der S-Bahn zum Zoo, wo im Premierenkino Marmorpalast gerade der Film „Das große Spiel“ mit der Musik von Hanns Eisler zur Aufführung kam. In der „Ouvertüre No 6“ gab Sascha Doroshkewitch mit seinem Sopransaxophon die Melodie vor, in die sich die anderen drei Musiker mit Vehemenz einmischten.

Die nächste Station der musikalischen Reise führte ins Theater des Westens und zur neuesten Broadway-Musik von George Gershwin. Mit den schnell gespielten Tonleitern in „I Got Rhythm“ und dem wunderbaren Liebeslied „Somebody Loves Me“ entführten die Saxophonisten immer tiefer in die fantastische Welt der Musik aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Mit einem kleinen Fußmarsch zum Tiergarten ging die Tour weiter. Dort angekommen, spielten Claire Obscur Minimax von Paul Hindemith. Der Komponist hatte das Stück als Satire auf die damalige Marschmusik geschrieben. Die Zuhörer lachten begeistert, als Kathi Wagner mit ihrem Baritonsaxophon ein in der winterlichen Kälte eingefrorenes Ventil imitierte, mit dessen Missklang sie die anderen Musiker aus dem Takt brachte.

Das Ballhaus in der Chausseestraße war mit der Musik von Dmitri Schostakowitsch die vorletzte Etappe, bevor das abwechslungsreiche Konzert in der Berliner Philharmonie endete.

„Der kleine grüne Kaktus“ und „Veronika, der Lenz ist da“ von den Comedian Harmonists waren die letzten Grüße aus dem Berlin der 30er-Jahre. Das Publikum bedankte sich mit einem langen Schlussapplaus. So war dann auch die Zugabe passend gewählt, denn mit „Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft“ endete das Konzert nach zwei Stunden endgültig. (zcd)

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