Künstlerin lebt in Paris

Gebürtige Treysaerin berichtet von Protesten der Gelbwesten in Frankreich 

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Mittendrin im Protest: Die aus Treysa stammende Fotografin Dagmar Sippel berichtete der Schwälmer Allgemeinen über die Demonstrationen am vergangenen Wochenende in Paris, dazu sandt sie uns dieses Selfie. 

Paris/Treysa. Die aus Treysa stammende Dagmar Sippel erlebt die Proteste der Gelbwesten in Frankreich aus nächster Nähe. Seit mehr als 30 Jahren lebt die Künstlerin in Paris.

Laut dem Innenministerium nahmen 84 000 Menschen in ganz Frankreich an den landesweiten Aktionen teil, in Paris um die 8000. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift „Macron – Démission“ (Macron, leg dein Amt nieder), mit denen sie den Staatspräsidenten zum Rücktritt aufforderten, so Sippel. 

In Paris hätten sich die Demonstranten für einen Protestmarsch vor dem Armeemuseum, Place des Invalides für eine 15 Kilometerschleife an der Tour de Montparnasse vorbei, bis hin zum Invalidendom, versammelt, berichtet Sippel. Sie war mitmarschiert, allerdings nicht die ganze Strecke.

Nicht nur Gelbwesten demonstrieren 

Seit Mitte November demonstriert die Bewegung gegen zu hohe Lebenshaltungskosten und soziale Ungerechtigkeit. Nicht zu vergessen seien die Erhöhung der Benzinpreise und der Steueraufschlag. 

Es seien nicht nur die „Gilets Jaunes“, die Gelbwesten, gewesen, die am Samstag demonstrierten, sondern auch viele Zivilbürger, Frauen, Krankenschwestern, Behinderte, Lehrer, Rentner und erstaunlich viele junge Leute, beobachtete die gebürtige Treysaerin. Alles Leute, die arbeiten und am Monatsende nicht mehr über die Runden kommen, meint sie. „Die kleinen Leute müssen zahlen und die Reichen bleiben verschont“, ist sie überzeugt.

Sippel berichtet von einer sozialen Kälte in Frankreich. Aus Sicht der Gelbwesten solle gespart werden für ein gemeinsames Europa, Dienstleistungen würden gekürzt oder gar ganz eingestellt – vor allem, auf dem Land. Ob in Schulen, Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen, „lebende Menschen“ würden durch Computer und Anrufbeantworter ersetzt. „Man hat den Eindruck, nichts funktioniert mehr“, sagt die Künstlerin.

Gelbwesten verlangen Rücktritt von Macron

Sippel berichtet auch von der Bürgerdebatte, die Macron ins Leben rief, um den Konflikt zu entschärfen. Bürger könnten dazu in ihren Gemeinden Vorschläge zu den Themen Steuer, Demokratie, Migration, ökologischer Übergang und Staatsorganisationen machen. Die Gelbwesten verlangen den Rücktritt Macrons. Auflösung der Nationalversammlung? Neue Volksabstimmung? Wo die Lösung liegt, weiß Dagmar Sippel nicht. Nur eins sei sicher: Der Protest geht weiter.

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