Knapp 100 Menschen wandelten auf den Spuren der Vergangenheit

Gedenken an November-Pogrom in Treysa: Stadtrundgang mit Halt an Stolpersteinen

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Führte durch die Stadt: Bernd Lindenthal (rechts) erinnerte an die Schicksale der jüdischen Bevölkerung.

Bernd Lindenthal nahm gestern eine Gruppe von gut 100 Menschen mit auf einen Stadtrundgang durch Treysa zum Thema Novemberpogrom.

Lindenthal folgte dem Weg, den vor genau 80 Jahren Schüler und Erwachsene abgelaufen sind. Der Weg auf dem vor 80 Jahren Menschen schikaniert, gejagt und verprügelt wurden. Als Häuser gestürmt, Wohnungen verwüstet und Familien zerstört wurden. Es war der Tag, an dem überall in Deutschland Pogrome gegen jüdische Familien stattfanden.

Initiiert wurde diese öffentliche Gedenkveranstaltung zum 9. November 1938 in Zusammenarbeit der Stadt Schwalmstadt und Gedenkstätte und Museum Trutzhain. „Der Stadtrundgang ist sogar Teil einer Gedenkreihe“, erklärt Jochen Böttger, Mitarbeiter der Stadt Schwalmstadt. Dazu gehörten auch die Lesung und das Konzert mit Esther Bejarano und der Rapband Microphone Mafia in der Gedenkstätte in Trutzhain. Außerdem die Veröffentlichung der Broschüre „Stolpersteine in Schwalmstadt“, die in Kooperation mit Schülern des Schwalmgymnasiums entstanden ist.

Führte durch die Stadt: Bernd Lindenthal (rechts) erinnerte an die Schicksale der jüdischen Bevölkerung.

Lindenthal ist diesen Weg nicht zum ersten Mal abgegangen. Bereits in seiner Zeit als Lehrer für Geschichte, Politik und evangelische Religion am Schwalmgymnasium besuchte er mit seinen Schülern diese historischen Orte. Und auch nach seiner Pensionierung vor vier Jahren führt er auf Anfrage immer wieder Gruppen durch diesen Teil der Geschichte. Außerdem engagiert er sich bei der Gedenkstätte und dem Museum Trutzhain.

„Dieses Jahr ist eine besondere Situation. Das Parlament hat einstimmig beschlossen, als Stadt ein Zeichen zu setzen und der Pogrome zu gedenken“, erklärte der 69-Jährige. Darüber und über den großen Zuspruch, den die Veranstaltungsreihe schon im Vorhinein bekam, zeigte sich auch Böttger sehr zufrieden: „Das Interesse ist überraschend positiv. Das hat sich aber auch schon in der Vorbereitungsphase abgezeichnet“.

Mit seinem Rundgang durch Treysa wollte Lindenthal erinnern. Erinnern an das, was sich in Treysa abgespielt hatte. „Hier fanden die Pogrome nicht wie vielerorts am Abend statt, sondern am helllichten Tage“, informierte Lindenthal die Teilnehmer des Stadtrundgangs. Er hielt an Stolpersteinen und an Häusern. Sprach mit den Menschen über die Schicksale der Familien Levi, Schwalm, Katzenstein und Moses sowie Höxter.

Erinnern werde immer wichtiger betont der Pensionär. „In bestimmten Strömungen gibt es Tendenzen das Vergangene zu relativieren oder zu verleugnen“, bedauerte er aktuelle Entwicklungen.

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