Gericht verurteilte 19-Jährigen wegen Fahrens ohne Führerschein

Treysa. Bis zum Schluss uneinsichtig verhielt sich kürzlich ein junger Mann aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Jugendgericht in Schwalmstadt.

Selbst die Vertreterin die Jugendgerichtshilfe schüttelte über das bockige Verhalte nur noch mit dem Kopf.

Der 19-Jährige musste sich gleich wegen zweier Taten verantworten. Laut Anklage hatte der junge Mann im Sommer in Wetzlar ein Auto gekauft und war ohne Führerschein mit dem Wagen tagelang herumgefahren. Die Prüfplaketten für ein im Internet gekauftes Nummernschild klaute der Mann am Parkplatz des Ärztezentrums in Treysa. Im zweiten Fall warf die Staatsanwaltschaft dem Arbeiter vor, nur wenige Monate später mit einem frisierten Roller gefahren zu sein - wieder ohne Fahrerlaubnis.

Besonders dreist sei es gewesen, dass der 19-Jährige seinen Roller nach der polizeilich angeordneten technischen Überprüfung in einer Kfz-Werkstatt abgeholt habe und noch vom Hof weggefahren sei, stellte der Staatsanwalt kopfschüttelnd fest: „In der Gesamtschau ist das schon ziemlich unverfroren.“

Zur Wahrheitsfindung hatte das Gericht sechs Zeugen geladen. Kurios: Ein vom Angeklagten extra beantragter Zeuge erschien erst auf Druck des Gerichts. Sein Kumpel habe eine Nachricht geschickt, dass er heute keine Zeit habe, erklärte der 19-Jährige zu Verhandlungsbeginn. Eine Entschuldigung, die der Richter nicht akzeptieren wollte: „Schreiben Sie ihm. Wenn er in zwanzig Minuten nicht da ist, dann bezahlt er 120 Euro.“ Der Wink mit dem Zaunpfahl zeigte Wirkung, kurz darauf stand der Mann vor dem Gerichtssaal.

Erdrückende Beweislage

Im Wesentlichen gab der Angeklagte die Taten zu. Es blieb ihm aber auch nicht viel übrig, die Beweislage war erdrückend. Sowohl bei einer Autofahrt wie auch bei den Fahrten mit dem Motorroller war der 19-Jährige von der Polizei erwischt worden. Die Fahrt aus Wetzlar stritt der Mann aber ab: „Das war mein Kumpel.“

Die Zeugenaussagen zeigten ein anderes Bild. „Bei der Vernehmung hat er zu mir gesagt, er ist gefahren“, erinnerte sich eine Polizistin. Er sei damals überfordert gewesen, kommentierte der Angeklagte: „Ich habe das gesagt, weil ich heim wollte.“ Auch der Autoverkäufer gab an, dass der 19-Jährige mit dem Auto in Wetzlar vom Hof gefahren sei. Als das Gericht wissen wollte, ob denn sein Kumpel überhaupt einen Führerschein habe, schüttelte der Angeklagte den Kopf. „Und dann soll der zugeben, gefahren zu sein“, so der Richter fragend.

Es kam, wie es kommen musste. Der Freund des Angeklagten machte keine Angaben und am Ende blieb dem 19-Jährigen nichts anderes übrig, als auch die Fahrt nach Wetzlar zu gestehen.

Angesichts seines Verhaltens sehe sie bei dem Angeklagten einen erhöhten erzieherischen Bedarf, mahnte die Jugendgerichtshilfe, es müsse ein deutliches Zeichen gesetzt werden. Das Gericht sah dies genauso und verurteilte den Mann zu drei Wochen Jugendarrest. (zmh)

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