Fördern mit Fantasie

Hephata-Jahresempfang: Experten diskutierten über Inklusive Schule 

+
Gäste und Gastgeber: Musiker Maik Garthe, Thomas Korte, Jürgen Kaufmann, Christoph Degen, Hephata-Direktorin Judith Hoffmann, Claudia Ravensburg, Rolf Muster, Direktor Klaus Dieter Horchem und Direktor Maik Dietrich-Gibhardt (von links). 

Treysa. An den Gründungstag der Diakonie Hephata erinnerte das Diakoniezentrum am 13. April mit dem Jahresempfang.

120 Gäste aus Diakonie, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lauschten im Kirchsaal einer Podiumsdiskussion, in dessen Mittelpunkt der HR-Reporter Thomas Korte das Thema Inklusive Schule rückte.

Was Inklusion meint und braucht, diese und weitere Fragen stellte Hephata-Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt in seiner Einleitung. Rolf Muster, Leiter der Hephata-Förderschulen, erläuterte in seinem Impulsvortrag die Strukturen. Die Förderschule Hephata ist ein Zusammenschluss aus drei ehemals selbstständigen Schulen in Trägerschaft der Diakonie. Seit mehr als fünf Jahren ist die Förderschule zudem Versorgungsschule des Schwalm-Eder-Kreises, weil der Kreis selbst keine vergleichbare Schule betreibt.

Muster bezog klar Stellung: „Exklusive Beschulungsangebote werden häufig als Exzellenzangebot etikettiert und als inklusionshinderlich abgetan. Dieser Bewertung trete ich entschieden entgegen.“

"Wollen das Wahlrecht für die Eltern erhalten"

Neben Muster nahmen auf dem Podium Claudia Ravensburg (Landtagsabgeordnete, CDU), Christoph Degen (bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion) und der Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann (SPD) Platz. „Wir wollen das Wahlrecht für die Eltern behalten. Es gibt ein Recht, aber keine Pflicht zur Inklusion“, sagte Ravensburg. Degen erklärte, dass es vor allem an Personal mit sonderpädagogischer Kompetenz fehle.

Treffpunkt im Kirchsaal: 120 Gäste aus Diakonie, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren gekommen.

Kaufmann gab zu bedenken, dass Inklusion mehr als inklusive Bildung sei: „Die Herausforderungen beginnen an jeder Treppenstufe.“

Dass Inklusion machbar sei, daran ließ Muster keinen Zweifel: „Dazu braucht es ein großes Maß an Fantasie und an Expertise.“ Aber Inklusion sei nicht der alleinige Weg. Es gebe vielmehr eine reflexartige Abwehrbewegungen vonseiten der Eltern und auch der Regelschulen. „Inklusion verdirbt die gute Quote“, verdeutlichte er. „Inklusion gilt eher als Hauptschulthema.“

Claudia Ravensburg, von Korte auf die zunehmende Überlastung der Lehrer angesprochen, wehrte sich gegen die Kritik, dass das Land zu wenig tue: „Da, wo Inklusion gelingt, redet man nicht drüber.“ Es gebe in Hessen ein erfolgreiches System, beginnend mit der Frühförderung. Dass zunehmend private Bildungsträger die Aufgabe der Inklusion übernähmen, kommentierte sie so: „Wir wollen denen ja keine Konkurrenz machen.“

Sonderpädagogen an Regelschulen

Künftig alle Regelschulen mit Sonderpädagogen auszustatten, dafür sprach sich Degen aus. Kaufmann erklärte, dass Inklusion insbesondere für kleinere Schulen eine große Herausforderung sei, auch im Hinblick auf die Zuwanderung. Schulassistenten könnten keine pädagogische Fachkraft ersetzen. „Für die Hardware sorgen wir, die Software muss vom Land kommen.“ Direktorin Judith Hoffmann warb für individuell angepasste Förderung: „Inklusion ist kein Dogma, sondern ein Leitbild. Im Mittelpunkt muss immer das Kind stehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.