Der Ofen ist eine "Zeitbombe"

Insolvente Treysaer Bäckerei Jungclas: Vor allem Führungskräfte mussten gehen 

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Die Hinnerbäcker zeigen Präsenz: von links die Gesellschafter Kai Steinhauer, Siegfried Steinhauer und Jens Steinhauer, der ehemalige Juniorchef Johannes Jungclas und Expansionsleiter Jürgen Brandenbusch.

Treysa. Nachdem der Wetterauer Hinnerbäcker die Treysaer Bäckerei übernommen hatte, berichtet Geschäftsführer Kai Steinhauer von den Problemen und Zukunftsplänen. 

Ruhig ist es geworden in der Jungclas-Backstube am Treysaer Ortsausgang Richtung Ascherode. Da, wo einst emsige Betriebsamkeit herrschte, sieht man lediglich zwei Frauen putzen. Der Duft von frisch gebackenem Brot liegt nicht mehr in der Luft. Mit Monatsbeginn ist die Bäckerei Jungclas in ihrer bisherigen Form Geschichte.

Das einstige Treysaer Traditionsunternehmen firmiert mit Abschluss des Insolvenzverfahrens und Übernahme durch den Wetterauer Hinnerbäcker als Hinnerbäcker Jungclas GmbH und Co.KG. Die Produktion in Treysa ist eingestellt worden (wir berichteten).

Die neue Gesellschaft

Das bedauert Hinnerbäcker Geschäftsführer Kai Steinhauer. Die Geschäftsübernahme habe man sich anders vorgestellt. Bereits seit Dezember unterstützte das Hinnerbäcker-Unternehmen die insolvente Treysaer Bäckerei. Das Problem sei die Kündigung der Mietverträge für sechs Filialen in Rewe-Supermärkten gewesen. Damit hätte sich eine Produktion in Treysa nicht mehr gerechnet, erklärt Steinhauer. 

Er gibt an, dass von einst 21 Filialen noch 15 in der Gesellschaft verbleiben. Von den circa 213 Mitarbeitern seien einigen bereits während des Insolvenzverfahrens gekündigt worden, weiteren mit der Übernahme. Gehen mussten insbesondere verantwortliche Führungskräfte, so Steinhauer. 150 Angestellte verbleiben demnach in der Hinnerbäcker-Jungclas-Gesellschaft. Allen sei ein Angebot für eine Einstellung bei Hinnerbäcker gemacht worden, betont der ehemalige Jungclas-Juniorchef Johannes Jungclas. Neun Jungclas-Bäcker werden laut Steinhauer in die Hinnerbäcker-Produktion in Berstadt einsteigen.

Der Backofen

Neben der Kündigung der Filialen in den Rewe-Märkten erschien dem Hinnerbäcker-Unternehmen der Backofen einer weiteren Produktion im Wege zu stehen. "Der Ofen ist eine Zeitbombe", meint Jens Steinhauer, als Hinnerbäcker Gesellschafter schwerpunktmäßig mit der Produktion betraut. Der Ofen, seit über 20 Jahren in Betrieb, sei als sogenannter Netzbandofen für die Massenproduktion geeignet und nicht für einen mittelständischen Handwerksbetrieb, sind die Steinhauers überzeugt. "Der will Tag und Nacht gefüttert werden, ein energiefressendes Monster", sagt Jens Steinhauer.

Standort Treysa

Über das Gebäude im Ostergrund samt Backofen hält nach Angaben Steinhauers die Bank die Hand. Johannes Jungclas wird von Treysa aus mit sieben Mitarbeitern das operative Geschäft steuern. Dafür werden neue Büroräume gesucht. Die Flotte von sechs mobilen Verkaufswagen, die circa 15 Orte in der Region ansteuerten, gibt es nicht mehr. Die schwache Infrastruktur sei nicht zu bedienen, sagt Kai Steinhauer. Man habe allerdings versucht, Nachfolger zu finden.

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