Junger Mann muss wegen Hitlergruß 1000 Euro Geldstrafe zahlen

Treysa. Er soll den Arm zum Hitler-Gruß erhoben und "Sieg Heil" gerufen gehaben. Außerdem hatte die Anklage einem 20-Jährigen vorgeworfen, eine mazedonische Familie bedroht zu haben.

Leicht gebeugt sitzt er auf dem mit blauen Stoff bezogenen Holzstuhl im Schwalmstädter Amtsgericht. Seine Beine hat er eng verschlungen unter den Stuhl geklemmt, seine Hände hält er zusammengefaltet über dem Tisch der Anklagebank. Während der ganzen Verhandlung schaut er nicht einmal in Richtung der Prozessbeobachter.

Der heute 20-Jährige aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis wurde vom Amtsgericht Schwalmstadt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt, weil er im März 2017 eine mazedonische Familie bedrohte und ihnen gegenüber den Hitlergruß skandierte. Die Strafe: 1000 Euro.

Der Richter zeigte sich bei der Strafzumessung einverstanden und folgte dabei dem Vorschlag des Staatsanwalts. Der Richter berücksichtigte auch das geringe Einkommen des Mannes, der rund 1300 Euro netto als Lagerarbeiter bei einer Zeitarbeitsfirma verdient. Geständig zeigte sich der 20-Jährige jedoch nicht. Das Urteil nahm er nach gut einer Stunde ruhig hin, fügte allerdings nuschelnd noch den Satz hinzu: „Das ist doch eh alles für’n Arsch“. Es war im März vergangenen Jahres, als der alkoholisierte und damals 18-Jährige gegen Mitternacht gegen die Scheiben eines Familienhauses schlug und klopfte.

Der Vater der mazedonischen Familie hatte an diesem Abend Freunde zu Besuch. Er öffnete die Haustür, ging vor das Haus und fragte den Mann, was er denn wolle. Daraufhin soll dieser seinen rechten Arm gehoben und den Hitlergruß skandiert haben. Zudem soll der 18-Jährige seine Hände so gehalten haben, als wenn er eine Schusswaffe tragen würde. Einer der Bekannten zog den Familienvater daraufhin zurück ins Haus.

Im Haus versuchten die beiden Männer ihre Kinder im hinteren Teil des Hauses zu verstecken, da sie davon ausgingen, das der 18-Jährige bewaffnet war. Sie riefen die Polizei, die nach 20 Minuten auch kam. Währendessen hörten sie von dem 18-Jährigen nichts mehr und gingen noch einmal vor die Haustür.

Dieser trat aus der Dunkelheit hervor, hatte sich aber eine Maske und Schal aufgezogen und tat so, als wäre jemand anders, der den Vorfall beobachtet hätte.

Ein paar Minuten später fuhr ein Auto auf der anderen Straßenseite vor. Bevor der 18-Jährige einstieg, holte er ein Messer aus der Tasche, nahm es in die Hand, die er zu einer Faust ballte, küsste und in Richtung des Familienvaters streckte. Danach stieg er ein und fuhr mit dem Unbekannten davon.

Der Halter des Fahrzeugs konnte ermittelt werden, da sich der Zeuge das Nummernschild gemerkt hatte. Es handelte sich um den Vater des Angeklagten. Dieser machte während des Prozesses allerdings keine Angaben.

Den fälligen Betrag erhält der Arbeitskreis für Toleranz und Menschenwürde aus Schwalmstadt.

Rubriklistenbild: © Volker Hartmann/dpa

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