Traditionshaus

Jubiläum: Treysaer Töpferei wurde vor 50 Jahren wiedereröffnet

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Hat heute noch Lust an der Gestaltung: Monika Dörrbecker, gebürtig aus Baden, hat an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert.

Treysa. Monika Dörrbecker erzählt die Geschichte der gleichnamigen Traditionstöpferei, die Jubiläum feiert. 

Monika Dörrbecker brennt für ihr Handwerk. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Kein Wunder also, dass sich die Keramikerin (73) aus Baden in den 60er-Jahren in den Schwälmer Werner Dörrbecker verliebte – und mit ihm vor 50 Jahren nicht nur die Werkstatt der Familie wieder eröffnete, sondern in dessen Folge auch 13 Lehrlinge ausbildete und drei Kinder bekam. Bis heute hält Monika Dörrbecker das Handwerk am Leben, ihr Mann verstarb 1999. "Ich bin in erster Linie Rentnerin, aber in zweiter Linie freischaffende Künstlerin", sagt sie.

Die Geschichte der Traditionstöpferei Dörrbecker geht zurück bis ins Jahr 1679, die Werkstatt im heutigen Töpferweg richtete Johannes Dörrbecker 1865 ein. Nicht immer ging es dem Betrieb rosig: Im Krieg war die Töpferei verwaist, die Männer eingezogen. Von 1947 bis 1952 wurde die Werkstatt an Richard Böhm und Wenzel Mangold, die als Heimatvertriebene nach Treysa kamen, verpachtet.

Werner Dörrbecker lernte den Beruf des Keramikers in Marburg bei Elisabeth Schäfer. Als Meister leitete er in der Werkstatt auch seine Braut Monika Klenk an, die, um Lehrlinge ausbilden zu können, nach dem Studium noch eine Gesellenprüfung ablegte. Im November 1967 eröffneten sie den Betrieb wieder – Die Töpferscheibe.

Im Eröffnungsjahr 1967: Töpfermeister Werner Dörrbecker an der Scheibe, gelernt hat er das Handwerk in Marburg.

Spezialisiert war die Familie seit jeher auf Gebrauchskeramik. "Jede Generation hat für die Bedürfnisse ihrer Zeit gearbeitet", erklärt die 73-Jährige. Über die Generationen haben sich Formen etabliert, auch Muster und Dekore. "Dabei wurde früher weitaus weniger dekoriert", sagt Dörrbecker.

Die Hochzeit erlebte die Töpferei in den 1970er- und 80er-Jahren: Aussteuerartikel wie Tee- und Kaffeeservice waren gefragt. Auf die handgefertigten Produkte warteten die Kunden zum Teil ein halbes Jahr. "60 bis 70 Stunden pro Woche hat mein Mann häufig gearbeitet", erzählt die Wahl-Treysaerin, die auch zehn Jahre Mitglied der hessischen Prüfungskommission war. Auf alle Lehrlinge ist Monika Dörrbecker gleichermaßen stolz, einige haben heute Werkstätten, andere neue Wege für sich entdeckt. "Eine Auszubildende lebt in England. Dort steht bei ihr zuhause auch die Töpferscheibe, auf der sie bei uns gelernt hat", sagt die Keramikerin. Auch sie werde zum Werkstattjubiläum erwartet. In der Dörrbeckerschen Werkstatt steht übrigens bis heute die älteste Töpferscheibe Hessens, aus der Zeit des Urgroßvaters. Und nicht nur die erinnert an die Geschichte der Töpferfamilie. "Im Töpferweg war richtig viel los", sagt Monika Dörrbecker. Davon künden Tonscherben und Fragmente, zum Teil aus der Dürerzeit um 1500. "Diese Geschichte möchte ich unbedingt aufarbeiten."

Jubiläum 

Für Samstag, 17. Februar, ist in der Töpferei in Treysa, Töpferweg 18, zum Jubiläum ein Tag der offenen Tür geplant. Von 10 bis 18 Uhr stellen dort frühere Lehrlinge ihre Produkte vor, darunter auch die drei Landessieger Barbara Schott, Tamara Schwing und Petra Prüssing. Neben Ausstellungsstücken gibt es auch Keramik zum Kauf. Ansonsten öffnet der Laden heute nur noch auf Anfrage. 

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