Kein Nachfolger für Leder Korell in Treysa - Geschäft schließt zum Jahresende

Ansprechpartner für die Kunden: Irmgard Bläse (von links) – hier mit Kundin Roswitha Spohr – arbeitet seit 32 Jahren bei Leder Korell, Christa Kessler ist seit 15 Jahren im Verkauf tätig. Foto: 1   Rose/2 privat

Mit Leder Korell schließt zum Jahresende ein weiteres Geschäft in Treysas Innenstadt. Seit mehr als 100 Jahren war der Laden in der Wagnergasse für Lederwaren bekannt. Herbert Korell (80) übernahm das Geschäft Ende der 1940er-Jahre von seinem kranken Vater, einem Polsterer und Sattler, und betrieb es zusammen mit seiner Mutter, später mit seiner Frau.

Bot der Vater noch Artikel für Kinder an, spezialisierte sich Korell rein auf Lederwaren. In den 1980er-Jahren investierte er eineinhalb Millionen Mark in den Umbau des Geschäfts. Es entstand das größte Lederwarenfachgeschäft zwischen Marburg und Gießen.

Zusammen mit seiner Frau beriet Korell die Kunden rund um ihr Reisegepäck. „Als die ersten Hartschalenkoffer auf den Markt kamen, bin ich schon mal draufgesprungen, um zu beweisen, dass sie stabil sind und sich wieder ausbeulen“, erzählt der Treysaer. Nicht selten hätte er 48 Stunden durchgearbeitet. „Das Reisegepäck wird ja erst kurz vor dem Packen herbeigeholt - wenn dann was kaputt war, musste es schnell gehen“, berichtet Korell, der in der eigenen Fachwerkstatt auch selbst reparierte.

Schwierige Branche

„Ich möchte weinen“, kommentiert er die Schließung des Ladens, zeigt jedoch auch Verständnis: „Die Branche ist schwierig“, weiß er. Weit und breit sei Leder Korell in den vergangenen Jahren noch eines der wenigen Fachgeschäfte gewesen.

Unter anderem gesundheitliche Probleme führt der jetzige Inhaber Rolf Lingenberg als Grund für die Schließung ins Feld: Aber auch im Hinblick auf seinen Ruhestand habe er die Entscheidung getroffen, erklärt er. 1999 hatte Lingenberg den Betrieb übernommen. Nicht verschweigen will er, dass sich alle Kollegen, insbesondere in kleineren Städten, um die Existenz ihrer Geschäfte sorgten: „Nach der Grenzöffnung gab es allein im Westen 2300 Lederwarenfachgeschäfte, heute sind es in Gesamtdeutschland gerade noch 1100“, erklärt der Kaufmann.

Ebenfalls problematisch: Der jährliche Pro-Kopf-Umsatz liege bei gerade einmal 22 Euro. Am Standort Treysa sei man mit den Umsätzen zufrieden gewesen, „aber es gibt Branchen, die sterben aus - und wir gehören wohl dazu“. Seinen Kunden will der Kaufmann aber an anderen Standorten den gewohnten Service bieten - in Melsungen, Bebra und Bad Hersfeld. Schon länger hatte sich Lingenberg um einen Nachfolger bemüht, jedoch ohne Erfolg.

Auch Herbert Korell wünscht sich „alles, nur keinen Leerstand.“ Die Fläche will er weit unter dem üblichen Quadratmeterpreis anbieten.

Noch bis zum 30. Dezember läuft der Ausverkauf. Dann schließt Leder Korell wohl endgültig seine Türen.

Von Sandra Rose

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