500 Euro Strafe

Kinder-Pornos kamen wohl mit anderen Sex-Filmen auf PC

Schwalmstadt. Ein 57-Jähriger musste sich wegen Besitzes und in Umlaufbringens von kinder- und tierpornografischen Darstellungen in mehreren Fällen vor dem Amtsgericht in Treysa verantworten.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, waren vor Gericht erschienen: drei Polizeibeamte, die Tochter des Angeklagten, eine Bekannte, ein Computerhändler, eine IT-Spezialistin der Polizei und ein Sachverständiger.

Insbesondere die Aussagen der Computerspezialisten über die Funktionsweise von Internettauschbörsen erforderten die ganze Aufmerksamkeit aller Beteiligten. „Ein nicht ganz einfacher Fall, weil es um technische Fragen geht“, kommentierte die Verteidigung.

Ursprünglich hatte die Polizei gegen den 57-Jährigen wegen eines anderen Sachverhalts ermittelt. Auf das kinderpornografische Material war man erst bei der Beweisauswertung gestoßen. Seine Erklärung: Er habe den Rechner von einem Bekannten bekommen. Sein heute wieder in den Staaten lebender Bekannter habe ihn auf die Kinderpornos aufmerksam gemacht, woraufhin sie beide umgehend die Polizei in Chicago informiert hätten.

Auf die Frage des Gerichts, wie denn das Material auf den Computer gelangt sein könnte, antwortete der arbeitslose Kraftfahrer: „Ich weiß nicht. Ich habe kein Passwort, bei mir kann jeder an den PC.“

Und auch die auf dem Computer installierte Tauschbörse sei ihm völlig unbekannt. Die Verteidigung brachte daraufhin die These ins Spiel, dass das kinderpornografische Material beim Auswechseln einer defekten Festplatte auf den Rechner gelangt sein könnte.

Erst die Aussage des Sachverständigen brachten Klarheit. Der IT-Fachmann erklärte Schritt für Schritt, wie die fraglichen Dateien auf den Rechner des Angeklagten gelangten. Über eine Internettauschbörse wurde demnach zum fraglichen Zeitpunkt „normales“ pornografisches Material bewusst auf den Rechner geladen. Sobald man aber über eine Tauschbörse größere Mengen Daten herunterlädt, befindet sich automatisch Kinderpornografie im Promillebereich darunter.

Insgesamt befanden sich auf dem Rechner des Angeklagten zehntausend „normale“ pornografische Dateien. „Es gab aber keine Suchbegriffe nach Kinderpornografie. Es ist durchaus möglich und wahrscheinlich, dass es zufällig passiert ist.“

Dem Urteil des Sachverständigen folgte das Gericht im Wesentlichen. Der 57-Jährige wurde verwarnt und muss 500 Euro an eine soziale Einrichtung bezahlen - schließlich hätte er von einer kinderpornografischen Datei auf dem Rechner gewusst, erklärte der Richter.

Von Matthias Haaß

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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