Mehrsprachig vorlesen

Kindertagesstätte Zwergenschatz in Treysa startet eigenes Projekt 

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Lesen in großer Runde: von links Irma Toidse (Mutter), Anika Neubauer (Anerkennungspraktikantin) und die Kindergartenkinder aus verschiedenen Gruppen.

Treysa. 17 Sprachen werden in der Kindertagesstätte Zwergenschatz an der Bleichweise in Treysa gesprochen. So viele verschiedene Sprachen bringen die insgesamt 120 Drei- bis Sechsjährigen von zu Hause mit.

Da liegt es nahe, dass der Kindergarten an dem Bundesprogramm „Sprachkita“ teilnimmt – und neuerdings ein ganz eigenes Projekt gestartet hat: Mehrsprachig vorlesen – von und mit Eltern.

Im „Märchenraum“ im Obergeschoss des Kindergartens ist eine gemütliche Leseecke eingerichtet. Der „Buchtag“, wie sie es nennen, ist ein offenes Angebot, die Kinder dürfen entscheiden, ob sie daran teilnehmen möchten oder nicht. Ein knappes Dutzend Kinder kommt schnell zusammen.

An diesem Donnerstag ist es Irma Toidse, die Mutter der fünfjährigen Sofia. Die ist stolz darauf, dass ihre Mutter heute im Kindergarten vorliest. „Ein Tag mir Elmar“ hören die Kleinen erst auf Deutsch von Anika Neubauer (Anerkennungspraktikantin), und danach auf Russisch von Irma Toidse. „Es hat Spaß gemacht und ich mache es gern mal wieder“, so die gebürtige Georgierin. Geplant ist, dass einmal pro Woche eine Erzieherin und ein Eltern- oder Großelternteil das Vorlesen übernehmen. Rund 20 Minuten dauert die Vorlesezeit, länger können Nils (6), Mia (4), Delian (5) und die anderen Knirpse auch nicht mehr ruhig sitzen und zuhören.

Christina Lutz

„Es ist ein Schatz, wenn Kinder mehrere Sprachen sprechen“, sagt Christina Lutz, Leiterin der Kindertagesstätte Zwergenschatz. Ziel sei es, die Kinder spüren zu lassen, dass ihre Sprache im Kindergarten gewollt ist. Dies sei eine besondere Form der Inklusion, der Wertschätzung anderen Kulturen und deren Sprache gegenüber: Kinder in ihrer eigenen Sprache zu unterstützten, um Akzeptanz bei anderen Kindern zu finden.

So passt das Vorleseprojekt prima zu dem Bundesprogramm, durch das auch die Zusammenarbeit mit Familien gestärkt werden soll. „Dabei ist es nicht wichtig, immer Kinder dabei zu haben, die die Sprache der Vorlesegeschichte sprechen“, so Lutz.

Vielmehr solle deutlich werden, „wir sind mehrsprachig, wir sind zwar alle verschieden, aber das ist ganz normal“, erklärt Erzieherin Nesrin Güven. Nach vier Jahren läuft das Bundesprogramm aus, doch dann soll mit der Sprachkita noch nicht Schluss sein, so das Ziel der Kindertagesstätte: Es soll sich im Konzept verfestigen „und zum Leitfaden für das gesamte Team werden“, erklärt Lutz. „Schön wäre, wenn sich viele Eltern finden, damit wir den Buchtag regelmäßig anbieten können.“

An Büchern fehlt es den Kindern vorerst nicht: Dank einer Spende des Förderkreises Kinder in Schwalmstadt konnte die Kindertagesstätte gleich ein Dutzend mehrsprachiger Bücher anschaffen, vor allem Bilderbücher, in denen es um Respekt, Toleranz und Freunde geht. Verständnisschwierigkeiten gibt es nicht, so Güven: „Die Kinder übersetzten anhand der Bilder.“ 

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