Vom Leben und Davongehen: Hamburger Autorin Susanne Niemeyer war zu Gast in der Schwalm

Auf Besuch in der Schwalm: Die Hamburger Autorin Susanne Niemeyer las aus ihrem neuesten Buch in Treysa. Foto: Rose

„Ich glaube, Gott wohnt im Zimmer nebenan, nur manchmal finde ich die Tür nicht“ - das schreibt Susanne Niemeyer über sich selbst. Und damit dürfte die Hamburger Autorin nicht allein sein.

Immerhin trifft sie mit ihren Texten übers Leben, übers Sterben, übers Glücklichsein und die Beziehung zu Gott nicht nur oft des Pudels Kern, sondern im besten Wortsinne ins Herz der Zuhörer. So ging es auch den Gästen am Sonntagnachmittag im Franz-von-Roques-Haus, die still lauschten, dabei immer wieder lächelten und oft auch kicherten, fast wie es Kinder tun.

Organisiert worden war die Lesung vom Buchladen Hexenturm zusammen mit dem Evangelischen Forum. Dabei sind Niemeyers Texte weder kindlich noch naiv, aber sie erzählen in einer ganz unverkrampften und erfrischenden Weise über das, was Menschen bewegt.

Die frühere Pressereferentin und Redakteurin lebt und arbeitet als freie Autorin in Hamburg, arbeitet unter anderem für den Verlag Kreuz/Herder, den NDR und die österreichische Zeitschrift „Welt der Frau“. In ihrer Literatur steckt immer eine ganze Menge Wahrheit, manch unbequemes Thema, wie etwa in der Erzählung „Wie lang ist ewig“ - ein Enkel spricht mit dem Opa über das Davongehen. Sie verleiht darin der Trauer eine friedliche Gestalt.

Zur Angst vor dem Sterben sagt der Opa: „Die Angst ist nur so groß, wie ich sie lasse.“ Ob man den Himmel verfehlen kann, fragt der Enkel. „Nein“, sagt der Opa. „Es gibt Platzkarten für den Himmel. Die kriegt man bei seiner Geburt.“

In „Damit wir klug werden“ beschäftigt sich die Autorin mit Gott: „Die Texte laden zu Gedankenexperimenten ein“, sagt sie. Oder sie stellt sich Fragen wie „Womit beginnt Auferstehung? Indem man aufsteht, auch im Kopf.“ In charmanter und schöner Sprache lässt Niemeyer ihre eigenen Gedanken „von der Leine“. Fast philosophisch muten die Ratschläge an: „Die Welt ist groß - aber nicht größer als mit deinen Schritten erreichbar.“ Sie erzählt vom Aufbrechen: vom Fernwanderweg E1, von Wänden, die sich im verschoben haben, vom Ausbrechen in Gedanken.

Niemeyers Texte sind wie gedankliche Spaziergänge. Unter A wie Auftrag subsumiert sie Weltliches und Geistliches. „Jeder bekommt im Leben einen Auftrag“, ist die Autorin überzeugt. „Doch oft kommt eine Menge dazwischen. Alltag und Sprüche wie „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Schnell hast du Dutzende Aufträge auf dem Buckel und vergisst, was du wirklich tun solltest.“ (zsr)

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