Treysaer in Kongo und Ruanda erfolgreich

Ahle Wurscht aus Afrika

Am Ende einer Reihe von Geschäften: Kastlers Metzgerei im kongolesischen Goma. Es ist nach einem Betrieb in Ruanda sein zweiter Betrieb, inzwischen hat er viele Mitarbeiter (kleines Foto). Und Kastler, der aus Treysa stammt, will weiter expandieren. Fotos:  Reith

Goma/Schwalmstadt. Ein Metzger aus Treysa hat sein Geschäft nun in Afrika - und stellt dort auch Ahle Wurscht her.

Es ist ein kleines Geschäft in einer Seitenstraße des Stadtzentrums. Direkt neben dem Ronde Point Tshukudu, am Ende einer Reihe mit anderen Geschäften: dem Reisebüro „Satguru", dem „Lavastone Hotel" und einem kleinen Supermarkt ist sie: die Metzgerei. 

In der Auslage liegen Leberkäs’, Rote Wurst und Gulasch. Hackfleisch und saftiges Rinderfilet werden kühl gehalten, mitten in Goma, im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Die Grenzstadt zu Ruanda, mitten auf dem schwarzen Kontinent, ist nicht unbedingt bekannt als Mekka für deutsche Fleischwaren.

70 Prozent Arbeitslosigkeit 

Eher für jahrzehntelang andauernde Kriege, Rebellenbesetzungen und einer Arbeitslosigkeit von 70 Prozent. Trotzdem hat der Schwälmer Roland Kastler genau hier sein Geschäft eröffnet. Wie kommt man auf eine solche Idee?

„Kunden in meinem Hauptgeschäft in Kigali (Hauptstadt Ruandas) haben mich daraufgebracht“, sagt Kastler. Sie kauften sein Fleisch in Kigali und verkauften es im Kongo. „Das kann ich auch selbst!“, dachte er sich.

Angefangen hat sein Afrika-Abenteuer dreizehn Jahre vorhe. Für einen Urlaub reiste er an, um dann für einige Jahre in der Fleischerei seines ehemaligen Ausbilders Oberländer aus Ziegenhain zu arbeiten (Zur Person). Bis Kastler mehr will: sein eigenes Geschäft. 2003 produziert er seine erste Wurst und verkauft sie in seiner ersten eigenen Fleischerei in Kigali, der „German Butchery“. Vier Jahre später geht es weiter: Kastler eröffnet seine erste Filiale im Nachbarland Kongo.

„Mein Leben ist jetzt hier in Afrika.“ 

Für die kongolesische Filiale wird Rind aus es der Region geliefert, dazu 50 bis 60 Schweine werden pro Woche aus Ruanda, die Gewürze aus Deutschland importiert. Die Rezepte stammen teilweise noch aus Kastlers Schwälmer Zeit. „Das Fleisch, das ich in meinem Laden verarbeite und verkaufe ist unbehandelt und von einem Geschmack, den man in Europa wohl maximal vom Biobauern kennt.“

Geschenkt wurde ihm der Erfolg nicht: Jeden Tag, über Jahre, hat er von morgens sieben bis abends neun gearbeitet, bis der letzte Cent in der Kasse gezählt war.

Mit guten Mitarbeitern gibt es heute glücklicherweise mehr als nur Arbeit: „Um 15 Uhr mache ich Feierabend“, sagt Kastler. Nur freitags dauert sein Tag ein bisschen länger. Dann fährt Roland Kastler von Kigali aus in seine kongolesische Filiale. Nachmittags geht die dreistündige Fahrt los, Samstagmorgen sitz er in seinem kleinen Büro in Goma, kontrolliert Rechnungen, unterschreibt 21 Gehaltschecks und bespricht mit seinem Geschäftsführer Mohamed, was in der kommenden Woche ansteht.

Es läuft gut für Roland Kastler. Nach Deutschland zurückzukehren, kann er sich deshalb kaum vorstellen. „Mindestens ein Mal im Jahr fliege ich in die Heimat und besuche meinen Sohn Mirco aus erster Ehe, meine Eltern und Geschwister, aber mein Leben ist jetzt hier in Afrika.“

Mit seiner zweiten Frau Melissa und den Söhnen Robin und Kayne ist Kastler gerade in ein neues Haus gezogen, plant für das ruandische Hauptgeschäft einen Umzug: Laden und Produktion, Supermarkt und Imbiss sollen unter einem Dach verbunden werden. Eine Investition in die Zukunft. Die einzige Option also: „Bleiben!“

Von Katja Reith

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