Konzert in der Stadtkirche

Oboenklänge der Extraklasse

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Es war, als sei am Samstagabend ein ganzer Schwarm an Singvögeln in die Stadtkirche eingefallen, als Juliana Koch an der Oboe Antonio Pascullis Operbearbeitung „La Favorita“ interpretierte.

Pasculli, auch Paganini der Oboe bezeichnet, ließ die im Töpferweg in Treysa aufgewachsene und seit eineinhalb Jahren als Solo-Oboistin des London Symphony Orchestra unter Sir Simon Rattle engagierte Juliana Koch kaum zu Atem kommen. Es klang wie Zauberei, ein Rausch an kurzen, schnellen Tönen, als spiele sie gleich mehrere Instrumente gleichzeitig.

Begleitet wurde die 31-Jährige von dem Streichorchester Accompagnato Kassel. Es war ein außerordentlicher Hörgenuss, den das Chor- und Orchesterkonzert der Vokalgruppe Pro Musica mit dem Streichorchester Accompagnato Kassel sowie der Oboistin Juliana Koch und Siri Eder als Solo-Geigerin den knapp 200 Besuchern in der Stadtkirche bot.

Profi- und Hobbymusiker vereint

Reiner Eder als musikalischer Leiter war es gelungen, Profi- und Hobby-Musiker aus der Region und von London zu einem wunderbaren Ganzen zusammen zu führen. Erstaunlich, wie viel musikalisches Potenzial er vereinte – von Mitgliedern des Blasorchester Schwalmstadt über die Gesangssolisten bis zu den Solo-Instrumentalistinnen und einstigen Schülerinnen des Schwalmgymnasiums Juliana Koch und Siri Eder.

Hörgenuss: Unter der Leitung von Reiner Eder (links) traten Siri Eder (Violine, Mitte) und die international renommierte Oboistin Juliana Koch auf. 

Die mittlerweile weltweit gefragte Solo-Oboistin Juliana Koch war zwölf Jahre alt, als Reiner Eder, ihr damaliger Musiklehrer, auf sie zukam und sagte, im Schulorchester werde eine Oboe gebraucht. Das Instrument war in der Schule vorhanden, „das war ein Glück“, sagt Koch. Zum Unterricht fuhr sie wöchentlich ans Staatstheater Kassel, mit 16 zweimal pro Woche nach Frankfurt, mit 21 Jahren hatte sie ihre erste feste Stelle als Profimusikerin. Es folgten Stationen an der Scala in Mailand und der Oper in Kopenhagen, aktuell ist sie mit dem London Symphony Orchestra in der Alten Oper Frankfurt zu hören. Dieser Umstand ermöglichte das Konzert in Treysa, das am Sonntag in der Lukaskirche in Reinhardhausen wiederholt wurde.

Musikalischer Dialog

A capella eingestimmt auf den Abend wurde das Publikum von der Vokalgruppe Pro Musica, verstärkte mit Sängern des Silcher-Chores aus Homberg/Ohm mit der Brahms-Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen“ opus 74/1, bevor die 20-jährige Violinistin Siri Eder und Juliana Koch, unterstützt von Streichern, Johann Sebastian Bachs Konzert für Oboe, Violine und Streichorchester spielten. Dabei traten Orchester und Solo-Musikerinnen in einen musikalischen Dialog, der ähnliches Talent und Temperament der Musikerinnen offenbarte. Tief in die Knie gehend, den Körper mitschwingend, gaben sie sich und dem Orchester Impulse, was eine Harmonie an Klängen erzeugte.

Pro Musica waren es auch, die mit den Gesangssolisten Gesine Bojara (Sopran), Heidi Steinmann-Dörr (Alt), Michael Brauer (Tenor) und Michael Greb (Bass), Streichern und Bläsern mit Mozarts Krönungsmesse C-Dur den musikalischen Schlusspunkt setzten.

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