Randaletour durch Ziegenhain

Autos demoliert und Schuppen aufgebrochen: 18 Monate Haft für 19-Jährigen

Treysa. Weil sie randalierend durch Ziegenhain zogen, mussten sich zwei junge Männer, 19 und 23 Jahre alt, vor dem Amtsgericht verantworten. 

Gleich zu Prozessbeginn gab es eine Überraschung: Zufällig war genau am Verhandlungstag gegen den jüngeren der beiden Männer ein Sicherungshaftbefehl vollstreckt worden. Der 19-Jährige hatte gegen Bewährungsauflagen verstoßen und wurde von der Polizei in Handschellen ins Gericht gebracht. Weder Richter noch Staatsanwalt hatten im Vorfeld von der Maßnahme Kenntnis gehabt.

Laut Anklage hatten die beiden nach einem durchzechten Abend in Ziegenhain mehrere Autos beschädigt und einen Schuppen aufgebrochen. An einem Opel seien fast sämtliche Scheiben zertrümmert worden. Darüber hinaus warf die Staatsanwaltschaft dem 19-Jährigen vor, einem Jugendlichen ins Gesicht geschlagen zu haben. Als dessen Vater den Angeklagten später zu Rede stellen wollte, habe der 19-Jährige den Mann als „Pisser“ und „Scheiß Deutschen“ bezeichnet, ein Messer gezogen und gedroht, dass er ihn „abstechen werde“, so der Anklagevertreter.

Zunächst wollten sich beide nicht äußern. Dies sei nicht als Schuldeingeständnis zu verstehen, betonte einer der Verteidiger: „Nur weil man nichts sagen will, heißt das ja nicht, dass man etwas gemacht hat.“

2,08 Promille Alkohol im Blut

Nachdem der Richter den Männern noch einmal ins Gewissen gesprochen hatte – beide seien gerichtsbekannt und würden eigentlich zu den Sachen stehen, die sie gemacht haben – bezogen sie zu den Tatvorwürfen Stellung und räumten die Randaletour ein. „Ich habe im besoffenen Kopf versucht, die Scheibe einzuschlagen, kann mich aber nicht mehr an alles erinnern“, sagte der 23-Jährige. 2,08 Promille Blutalkohol waren später festgestellt worden.

Nachdem der 19-Jährige zunächst feixend eine Aussage abgelehnt hatte, zeigte er sich bei der zweiten ihm zur Last gelegten Tat redselig, er habe den Jugendlichen geschlagen: „Aber das waren Babyohrfeigen.“ Das Opfer bestätigte die Schläge, es sei eine „Respektschelle“ gewesen, meinte der schüchtern wirkende 17-Jährige. Der Vater des Schülers zeigte sich auch ein knappes Jahr nach dem Vorfall sehr verärgert. Als er den Angeklagten zur Rede gestellt habe, habe er zur eigenen Sicherheit gleich einen Baseballschläger mitgenommen, so der 50-Jährige: „Ich möchte einfach, dass das aufhört und er mich und meinen Jungen nicht mehr bedroht.“

"Höchste Zeit, dass Sie in einer geschlossenen Einrichtung Strukturen bekommen"

Sie sehe bei dem 19-Jährigen nicht im geringsten eine positive Sozialprognose, erklärte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, dem schloss sich der Staatsanwalt an: „Ich denke, es ist höchste Zeit, dass Sie in einer geschlossenen Einrichtung Strukturen bekommen.“

Das Gericht verurteilte den 23-Jährigen zu 900 Euro Geldstrafe, den 19-Jährigen zu einem Jahr und sechs Monaten Haft.

Rubriklistenbild: © dpa

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