Er trug zum wirtschaftlichen Aufschwung bei

Rund um die Uhr in die weite Welt: Bahnhof Treysa feiert 111. Geburtstag

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Pläne kamen vom Regierungsbaumeister Dr. Alois Holtmeyer: Der Betrieb am neuen Treysaer Bahnhof wurde zum Winterfahrplan 1908 aufgenommen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1918.

Treysa – Es war ein großer Tag für Treysa, der erstaunlicherweise ohne große Feierlichkeiten vonstatten ging: Vor 111 Jahren hielten die ersten Züge im neuen Treysaer Bahnhof. Am Samstag gibt es eine Feier.

Vor 111 Jahren fuhr der erste Zug in Treysas neuen Bahnhof ein. Treysa war seinerzeit wichtiger Knotenpunkt, lag an drei Bahnstrecken.

Regierungsbaumeister Dr. Alois Holtmeyer lieferte die Pläne, der Betrieb wurde zum Winterfahrplan 1908 aufgenommen. Herausragend war seinerzeit, dass Treysa ein wichtiger Knotenpunkt war, an drei Bahnstrecken lag. „Hierfür wurde die Mainzer Brücke bis 1908 für insgesamt sieben Gleise erweitert“, berichtet Uwe Schmidt, Bahnhofskenner und Mitglied im Stadtgeschichtlichen Arbeitskreis.

Klassizistischer Backsteinbau: Der Alte Bahnhof Treysa wurde um 1850 errichtet.

Markanter roter Backstein

Auf dem Areal entstanden ein Lokschuppen, das Kohlelager, das Bahnbetriebswerk, eine Drehscheibe, drei Stellwerke, der Rangierbahnhof und Wasserbehälter für die Dampfloks. „Die D-Züge wurden in Treysa betankt“, erklärt Schmidt. 

Im Bau befanden sich auch die Bahnerhäuser aus dem markanten roten Backstein, sie stehen oberhalb des Bahnhofs bis heute.

Bau von Bedeutung: Der neue Bahnhof, hier um 1907, war unter anderem wichtig für den Transport der Post.

Von großer Bedeutung war die Lage des neuen Bahnhofs – der alte vor den Toren der Stadt war schlicht zu klein geworden – auch für die Post mit ihrem Gebäude vis-à-vis. Per Handkarren wurden Briefe und Pakete in großen Säcken über Bohlen direkt ans Gleis gebracht. Für die Bauern waren vor allem die Nebenlinien gefragt: Sie transportierten Kartoffeln, Rüben, auch Vieh per Zug, später wurden auch große Landmaschinen auf der Schiene angeliefert.

1906 gab es täglich 255 Reisende

Schon zwei Jahre vor der Fertigstellung gab es Erhebungen, was die Zahl der Reisenden angeht: Die Handelskammer in Kassel stellte fest, dass 1906 bereits 93 200 Fahrkarten in Treysa verkauft wurden, was 255 Reisende täglich ausmachte. Für die Fahrgäste bot das neue Bahnhofsgebäude Komfort: Neben Empfangs- und Büroräumen gab es Wartesäle, ausgestattet mit elektrischem Licht.

Die Bedeutung des Bahnknotenpunkts trug spürbar zum wirtschaftlichen Aufschwung der Region bei, berichtet Uwe Schmidt: „Im Badehaus unmittelbar neben dem Bahnhof wurde 1930 eine Pension mit Übernachtungsmöglichkeit für die Bahnbediensteten eingerichtet. Kunden mit gültiger Fahrkarte konnten dort ein Bad nehmen.“

Musste für sieben Gleise verbreitert werden: Die Mainzer Brücke im Foto von 1906.

Der Zugbetrieb lief rund um die Uhr: Eine Reise nach Kassel – es gab zehn Verbindungen – dauerte 1908 zwei Stunden, nach Frankfurt (zwölf Verbindungen) vier Stunden. Fünf Züge fuhren beziehungsweise kamen aus Hersfeld, ebenso viele nach und von Homberg.

1945 hatte der Bahnhof großes Glück: Zeitzeugen berichteten von einem Bombenangriff auf einen Munitionszug, der sein Ziel aber verfehlte. Der Bahnhof wurde durch den Beschuss nicht beschädigt.

Wichtiger Knotenpunkt

Treysa lag am Knotenpunkt von drei Bahnstrecken. Die Züge der Main-Weser-Bahn hielten ab 1850, die Kanonenbahn mit ihrer 130 Kilometer langen Strecke von Treysa über Homberg und Eschwege nach Leinefelde ab 1878. 1907 wurde die Knüllwaldbahn von Treysa nach Oberaula fertig. 

Bis Oktober 1908 war der klassizistische Backsteinbau nahe der Friedrich-Ebert-Straße der Treysaer Bahnhof. Ab 1980 wurde der Betrieb von Kanonen- und Knüllwaldbahn eingestellt. Der Personenverkehr zwischen Treysa und Malsfeld endete 1981, der Güterverkehr bis Homberg 2002. Die Knüllwaldbahn fuhr bis 1984 nach Oberaula, der Güterverkehr endete 1995.

Treysa ist seit 2018 ICE-Halt

Seit dem 8. Dezember 2018 ist Treysa ICE-Halt. Die Züge fahren den Bahnhof im Zweistundentakt an. Beim Umbau ab dem Jahresende soll der Bahnhof barrierefrei werden. Kosten: 14 Millionen Euro. Das Land beteiligt sich mit 8 Millionen, die Bahn mit 4,5 Mio. Euro. Aktuell gibt es in Treysa zusätzlich zum Fernverkehr (ICE Stralsund/Karlsruhe) vier Linien: die Regionalbahnen von Treysa nach Kassel beziehungsweise Frankfurt sowie zwei Regionalexpresse von Frankfurt nach Kassel. 

Laut der NVV-Pressesprecherin Sabine Herms steigen an einem Werktag in Treysa etwa 500 Personen zu. Die Bahn nennt für Treysa keine Reisendenzahlen. Der Bahnhof gehört, wie aus Mitarbeiterkreisen zu erfahren war, mit knapp über 1000 Reisenden am Tag zur Kategorie 4, ähnlich wie Wabern.

Pendelfahrten und eine Ausstellung zum Geburtstag

Die Eisenbahnfreunde Treysa haben für Karsamstag, 20. April, ein Jubiläumsfest geplant: Gefeiert werden soll der 111. Geburtstag von 11 bis 17 Uhr. 

Wie Andre Heide von den Eisenbahnfreunden berichtet, wird es eine Fahrzeugausstellung auf Gleis 5 geben, der Zugang erfolgt über den Bahnhof. Möglich sind für die Besucher auch Führerstandsmitfahrten auf einer Dampflok, im historische Speisewagen werden Essen und Getränke angeboten. Eine besondere Ausstellung hat der Stadtgeschichtliche Arbeitskreis konzipiert. Die Schau ist standesgemäß ebenfalls in einem Zug zu bewundern. Gefeiert werden soll der Geburtstag selbstverständlich auf der Schiene: mit Pendelfahrten in der Dampflok. 

Unter Volldampf: Die Eisenbahnfreunde bieten für Samstag Touren in der Dampflok an, sie pendelt zwischen Treysa und Zimmersrode.

Hierzu gibt es laut Heide eine Parallelausfahrt beim Start in Treysa: „Für Eisenbahnfans ist es immer ein besonderer Anblick, wenn zwei Dampfloks nebeneinander fahren.“ Für die Pendelfahrten zwischen Treysa und Zimmersrode kosten Tickets für Erwachsene zehn, für Kinder fünf Euro. Familien – zwei Erwachsene und drei Kinder – zahlen 30 Euro. 

Darin enthalten ist die Fahrt im Dampfsonderzug ab Treysa nach Zimmersrode und zurück. Ab Treysa startet der Zug um 11.05 Uhr und um 15.05 Uhr (Gleis 4), in Zimmersrode um 11.19 Uhr und um 15.19 Uhr (Gleis 3), wiederum in Zimmersrode um 12.01 Uhr und um 15.54 Uhr, in Treysa um 12.23 und 16.14 Uhr.

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