Man weiß nicht, warum er so fröhlich war

Nachruf: Friedrich Lott ist gestorben – Nach einer furchtbaren Kindheit meisterte er sein Leben

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Ein in der Schwalm und darüber hinaus bekanntes Gesicht: Friedrich Lott starb nach kurzer Krankheit.

Er war einfach der Friedrich, um ihn rankte sich manche fantastische Geschichte.

Was stimmt ist, dass der stets gutgelaunte Mann, der sommers wie winters in kurzen Hosen auftauchte, eine sehr traurige Kindheit hatte. In Treysa lebte er seit Jugendtagen. Kurz vor Weihnachten ist er im Alter von 81 Jahren gestorben.

Friedrich Lott war ein unerwünschtes Kind

Zwei Mal in seinem Leben sah Friedrich Lott – sein Nachname war den wenigsten Leuten bekannt – ein Krankenhaus als Patient von innen, kurz vor seinem Tod und vermutlich bei seiner Geburt. Zur Welt kam er kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in Berlin. Doch Friedrich – so hieß sein wohlhabender Großvater in Ostpreußen – war ein unerwünschtes Kind, Vater unbekannt. 

Seine Mutter war eine höhere Tochter, die zur Unzeit schwanger wurde. Friedrich wurde sofort „weggegeben“. Kinderheime und Pflegestellen wechselten häufig, wohl fast ein dutzend Mal. Der in Berliner Bombenächten traumatisierte Junge erlitt Prügel und Isolation, wenn er den Erwartungen nicht entsprach, zum Beispiel nachts einnässte.

Friedrich Lott war immer auf der Suche nach Kontakt

Das ist wohl der Urgrund, warum er immer auf der Suche nach Kontakt war, meint Wolfgang Kilian als alter Freund, „jedermanns Sache war das vielleicht nicht“. Kilian weiß zu erzählen, dass Friedrich im Alter von 13 Jahren als Heimkind nach Hephata kam. In Treysa blieb er nun zeitlebens. 

Mit der Volljährigkeit, damals 21, wurde er Mitarbeiter, meisterte sein Leben von nun an eigenständig. In der Hephata-Klinik, damals noch Ziegenhainer Kreiskrankenhaus, war er für die Betten zuständig. Mit dem Verkauf von Getränken an Patienten stockte er seinen Verdienst ein bisschen auf,„schon da kannten ihn einfach alle“

Im Hephata-Nachruf heißt es, dass er immer ein engagierter und humorvoller Mitarbeiter war, der sich mit seinen Aufgaben identifizierte.

Von 1958 bis zur Verrentung 2001 arbeitete er im Hessischen Diakoniezentrum, „er war überall als fleißig und hilfsbereit bekannt“, erzählt Wolfgang Kilian, dessen Vater als Diakon mit Friedrich in Kontakt gekommen war.

Friedrich Lott bekannt für seine Fröhlichkeit

Über Jahrzehnte war Friedrich Lott weit und breit per Rad unterwegs, später besaß er ein kleines Auto, das nicht schneller als 25 Stundenkilometer fuhr und das er ohne Führerschein nutzen konnte. Doch auch das ließ er zuletzt sein, ein Hüftleiden hatte sich eingestellt. 

Das war ungewohnt für ihn, denn er war sonst immer kerngesund, was er mit leichter Kleidung und gebräunter Haut unterstrich, dazu schwor er auf Nivea-Sonnenmilch. Kleine Freuden waren es, die ihm gefielen, Mundharmonika spielen, Märchen erzählen, singen, „man staunt bei seiner Biografie über seine Freundlich- und Fröhlichkeit“.

Denn seine Wurzeln hatte er beileibe nicht vergessen. Nach der Wende machte er mehrmals Urlaub im Osten, wo seine Familie herstammte. In Ketrzyn, damals Rastenburg, im Nordosten Polens, hatte der Großvater eine Mineralwasserfabrik besessen.

Friedrich Lott vermutlich an Lungenentzündung verstorben

Anders, als mancher annahm, lebte er völlig selbstständig, aber eben ohne Angehörige. Zum Schluss war er, der Witterungseinflüsse prinzipiell ignorierte, stark erkältet. 

Eine Lungenentzündung könnte letztlich die Ursache für seinen raschen Tod am 19. Dezember gewesen sein. Da er völlig unabhängig lebte, war die Ordnung der letzten Dinge nicht ganz unkompliziert, weiß Wolfgang Kilian.

Doch die ist nun geglückt, Friedrich Lotts Urne wurde am Dienstag, 7. Januar,  um 14 Uhr auf dem Treysaer Friedhof unter Bäumen beigesetzt. Auf Facebook haben viele schon bewegt Abschied genommen und wünschen ihm Frieden. „Ein Gesicht der Schwalm“ ist nicht mehr. 

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