Seit 20 Jahren wirkt Gert Straßer am Studienstandort auf dem Hephata-Campus

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Mann der ersten Stunde: Gert Straßer zählt zu den Gründern des Treysaer Standorts der Evangelischen Hochschule Darmstadt. Er lehrt und forscht im Studiengang Soziale Arbeit.

Ein grauer Wollpulli, aus dem der Kragen eines blauen Poloshirts blitzt, dazu ein freundliches, fast verschmitztes Lächeln zur Begrüßung: Den professoralen Typ samt einschüchternder akademischer Aura sucht man bei Gert Straßer vergebens.

Dennoch, seit 20 Jahren lehrt und forscht der 64-Jährige im Studiengang Soziale Arbeit am Studienstandort Hephata der Evangelischen Hochschule Darmstadt (EHD).

1996 wurde er für die Fächer Soziologie und Psychologie berufen. Damit gehört Gert Straßer zu den Gründern des nordhessischen Standorts der EHD. Von Beginn an prägte er die Entwicklungen des Studiengangs Soziale Arbeit mit, der 1996 als Kooperation beider hessischer Landeskirchen auf dem Gelände des Hessischen Diakoniezentrums Hephata aufgebaut wurde. In den ersten Jahren sei es das primäre Ziel gewesen, den Studienstandort bekannt zu machen, so Straßer, der sich in den Bereichen Migration, Flüchtlingspolitik, der interkulturellen Psychologie und Rassismusforschung einen Namen gemacht hat.

Inzwischen genießt der Hochschulstandort einen ausgezeichneten Ruf. Überregional bekannt geworden ist Treysa zum Beispiel im Bereich Kritische Soziale Arbeit (siehe Stichwort), erklärt Straßer. Zu diesem Thema finden regelmäßig Tagungen in Treysa statt, in deren Kontext bereits einige Publikationen erschienen sind. Als Herausgeber eines Sonderbandes der Hephata-Reihe „Akzente“ stellte Straßer zudem die Erfahrungen mit Migration in der sozialwissenschaftlichen Theorie und der Praxis sozialer Arbeit gegenüber.

Als Teil von Forschung und Lehre „war es aber auch immer wichtig , in die Region zu gehen“, sagt er. So entwickelte Straßer im Laufe der Jahre eine enge Zusammenarbeit im Bereich der Integration von Spätaussiedlern und in der antirassistischen Bildungs- und Zeitzeugenarbeit eine Kooperation unter anderem mit dem DGB und den Gedenkstätten Hadamar und Trutzhain.

Im Zusammenhang mit Straßers Arbeit über die Integration von Spätaussiedlern sind der Hochschule enge Kontakte nach Kasachstan erwachsen. Auswirkungen der Flüchtlingssituation im vergangenen Jahr erinnern ihn an die in den 90er-Jahren: Es erstarkten rechte Parteien wie die DVU und die Republikaner, es wurde die Obergrenze und eine Drittstaatenregelung diskutiert.

Aktuell studieren 2000 Menschen an der Evangelischen Hochschule Darmstadt, davon etwa 180 auf dem Hephata-Campus. „Ein kleiner Standort mit unheimlicher Dichte“, meint Straßer. Und genau das sieht er als Wettbewerbsvorteil. Seinen Studenten will er Selbstbewusstsein als Sozialpädagogen mitgeben. Sie sollten sich nicht zu Hilfskräften degradieren lassen. Diese Gefahr bestehe insbesondere dann, wenn sie mit anderen akademischen Berufsfeldern zusammen arbeiten müssen, zum Beispiel in der Schulsozialarbeit.

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