Stadt des Bieres und der Mönche

Straßennamen in Treysa: Auf Spurensuche in den Gassen

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Der Angel: Der Straßenname des steilen Anstiegs hat nichts mit Tür- oder Fischerangeln zu tun, er leitet sich lateinisch von Angulu s her: Ecke, Schlupfwinkel. 

Alte Straßennamen in Treysa haben oft eine andere Bedeutung, als gedacht. Wir gehen beim Stadtrundgang auf Spurensuche.

Während es in der Antike schon früh auch innerörtlich Namensbezeichnungen zumindest für die wichtigsten Hauptstraßen gibt, entwickeln sich in Deutschland Namensbezeichnungen für Straßen, Wege und Gassen zumindest in den kleineren Städten, Marktflecken und Dörfern erst ab dem Mittelalter. Die Namensfindung unterliegt noch bis weit ins 19. Jahrhundert keiner amtlichen und regelhaften Auswahl, sondern dient häufig nur der inner- und überörtlichen Orientierung.

Die Richtung gibt den Namen an

So finden wir in Treysa die Ascheröder Straße, die Wasenberger Straße, die Wierastraße, die Sachsenhäuserstraße, den Frankenhainerweg, die Dittershäuserstraße und auch die Rommershäuser Hohle. Diese bezeichnen somit nur die alten Wegeverbindungen zu den umliegenden Gemeinden. Zur innerörtlichen Orientierung wurden die Straßen, Wege, Gassen und Plätze häufig nach der Bebauung oder Siedlungsstruktur, speziell des ansässigen Gewerbes oder der Bevölkerungsgruppe benannt.

In Treysa gibt es zahlreiche Beispiele zur typischen Benennung nach den örtlichen Gegebenheiten. So sind die Steingasse, eine der ersten gepflasterten Straßen Treysas, als Verbindung zum Oberen und Unteren Steintor, die Burggasse zum Burgtor, die Mainzergasse zum Mainzertor und die Straße Zum Angel (lat. Angulus-Winkel) zum Angeltor zu nennen. Ebenso sind Marktplatz, Mauerweg und An der Stadtmauer selbsterklärend.

Auch die Gassen um das ehemalige Dominikanerkloster, jetzt Stadtkirche, am Kirchplatz lassen sich gut aus ihrer historischen Ortsbeziehung herleiten. Die Klostergasse verbindet Steinweg und Kirchplatz. Die heutige Braugasse hieß früher Brudergasse wegen der Nähe zum Kloster, später fand sich hier das städtische Brauhaus. Im Bettelshain sollen früher Mönche um milde Gaben gebeten haben. Strittig aber nicht unüblich sind Straßenbezeichnungen nach Bewohnern dortiger Häuser.

Namen der Hausbesitzer benennen Straßen

So könnte die Strauchgasse nach einem Hausbesitzer namens Strauch oder Struch, die Herbstgasse nach einer Familie Herbst und die Hundsgasse früher „Hontsgasse“ nach dem alten deutschen Namen Hunold benannt worden sein. Andere Quellen nennen jedoch dortiges Strauchwerk für die Strauchgasse, Viehtriebswege wie Hirten- oder Hirtsgasse für die Herbstgasse als mögliche Erklärung.

VON UTE ANEMONE LORENZ

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