Schon sieben Wochen zuhause

Sehnsucht nach den Kollegen: Mit Gartenarbeit und Legotechnik lenkt sich Antonio Talarico ab

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Die Gartenarbeit lenkt ihn zumindest ein bisschen ab. Antonio Talarico aus Treysa kann wegen Corona seinen Job in den Waberner Werkstätten nicht ausüben. Homeoffice ist auch nicht möglich.

Es ist für alle zurzeit eine Ausnahmesituation. Aber wie beschäftigen sich Menschen mit Behinderung, die wegen Corona nicht an die Arbeit dürfen? Und für die auch Homeoffice keine Alternative bietet?

Antonio Talarico und sein Betreuer Dieter Umbach aus Treysa haben über ihren Alltag während Corona berichtet.

Das Wichtigste sei die Tagesstruktur, sagt Umbach: „Ich habe einen Blick darauf, dass der Tag ohne seine Arbeit trotzdem strukturiert ist.“

Der 66-jährige Dieter Umbach aus Treysa ist der gesetzliche Betreuer von Talarico. Die beiden wohnen in einem Mehrfamilienhaus in Treysa. Sie kochen und führen gemeinsam den Haushalt, unternehmen Ausflüge und gehen in den Garten. „Zwischendurch habe ich ein bisschen Zeit, Playstation zu spielen“, berichtet Talarico.

Die Arbeit mit Holz fehlt ihm

Der junge Italiener hat eine ausgeprägte Lernbehinderung. Talarico arbeitet normalerweise von 8 bis 16 Uhr in den Waberner Werkstätten in der Schreinerei. Nun ist er seit sieben Wochen zuhause.

Der 31-Jährige gehört zu den Risikopatienten, weil er an einer Herzerkrankung leidet. Dabei sei er laut Umbach derjenige, der sich haargenau an die Hygienevorschriften hält: „Er korrigiert mich sogar manchmal. Toni ist einfach sehr aufmerksam“, sagt der Betreuer über seinen Schützling.

Tagesablauf des Italieners beginnt mit Ausschlafen 

Wie sieht der Tagesablauf von Antonio aus? „Das Privileg des Ausschlafens nehme ich ihm nicht“, scherzt Umbach. Nach dem Aufstehen gibt es Frühstück. Dann steht eine Pause auf dem Plan, in der Antonio frei entscheiden kann, was er machen möchte. Danach sind abwechselnd der Haushalt und die Gartenarbeit dran. „Playstation spielen und mal ein bisschen Fernsehen mache ich wenn abends“, sagt Talarico. Zu seinen weiteren Hobbys zählt das Bauen mit Legotechnik.

Wie wird der Start zurück ins Arbeitsleben laufen?

Am Wochenende, erzählt der Italiener, unternehme er sehr viel mit seinem Betreuer: „Wir fahren viel Fahrrad oder gehen Schwimmen“. Umbach merke von Tag zu Tag mehr, wie sehr Talarico die Beschäftigung in der Werkstatt in Wabern fehlt. Vor allem aber macht sich der Betreuer Gedanken darüber, wie Talarico wieder in den Arbeitsalltag zurückkehren soll.

Normalerweise ist Antonio laut Umbach von 8 bis 17 Uhr aus dem Haus. „Er fährt selbstständig mit dem Zug von Treysa zur Arbeit nach Wabern“, sagt der 66-Jährige. Die zukünftigen Zugfahrten machen dem Betreuer Sorgen, denn die Züge seien in der Vergangenheit immer sehr voll besetzt gewesen.

Freunde und Kollegen fehlen ihm sehr 

„Mich beschäftigt vor allem die Frage, wann ich wieder zur Arbeit gehen darf“, erzählt Talarico nachdenklich. Am meisten fehlen ihm seine Kollegen und Freunde.

Talarico sei froh, seinen Betreuer an der Seite zu haben: „Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt der 31-Jährige.

Dieses Team habe mittlerweile seine Abläufe einstudiert: „Herr Umbach geht einkaufen und ich bleibe als Risikopatient im Auto sitzen. Zuhause trage ich dann die schweren Tüten ins Haus“, sagt Talarico.

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