Walkmühle in Treysa

Walkmühlenareal war Kindheitsparadies

Die alte Walkmühle auf einem Gemälde von Raimund Mosler

„Das war unser Spielplatz“ – Georg Völker strahlt, als er das erzählt. Das Mühlengemälde von Raimund Mosler zeige hundertprozentig die Walkmühle in Treysa, die für den Bau der Straße weichen musste – stand sie doch quer etwa dort, wo heute die Fußgängerquerung zwischen dem Rewe-Getränkemarkt und dem ehemaligen Autohaus Kohl (Schmelzaue) verläuft.

Der 77-jährige Völker aus Oberaula, der in Treysa zur Welt kam und dort aufwuchs, kann sich noch lebhaft an viele Einzelheiten erinnern. Heinrich Kreuter sei der Müller in der Walkmühle gewesen, „genannt auch Jammer-Müller“, schmunzelt der Pensionär. Zu Beginn der Fünfzigerjahre war der junge Georg hier gefühlt ohne Unterlass unterwegs. Dass das Mühlrad irgendwann abgerissen und durch eine Turbine ersetzt wurde, weiß er auch noch gut. Das Areal zwischen dem heutigen HNA-Haus und dem Hexenturm war das absolut bevorzugte Revier der spielenden Jungen.

Fund einer Pistole aus dem 2. Weltkrieg

Eines der unvergesslichen Abenteuer war der Fund einer Pistole aus dem Zweiten Weltkrieg unter der alten Eiche, die in Maler Moslers Bild viel Platz einnimmt. „Die hatte jemand weggeworfen, wir haben sie in der Wiera versenkt, vielleicht liegt sie noch irgendwo im Schlick.“

Mit einem Aufruf von Horst Gömpel und Karl Heinz Merle, die über Raimund Mosler (1886 bis 1959) recherchieren, hatten wir das Werk in der HNA abgebildet. Mosler, akademisch ausgebildeter Maler, war 1946 mit einem Vertriebenentransport aus dem heutigen Tschechien in die Schwalm gekommen und verbrachte seinen Lebensabend in Wiera, sicherlich unterfordert und verkannt, wie Horst Gömpel ausführt. 1945 hatte Mosler durch die Vertreibung seine gesamte Existenz verloren. Im Alter von 60 Jahren wurde er im „Ellerhaus“ des Hofes Dörinkel in Wiera einquartiert. „Er war zu alt, um noch mal ganz vor vorne anzufangen“, sagt Horst Gömpel.

Georg Völker (77)Oberaulaer

Gömpel und Merle haben unterdessen wieder einiges Neues herausgefunden, es seien inzwischen Nachweise von rund 100 Mosler-Bildern gelungen. Der Kontakt zu einer Tochter Moslers im Ruhrgebiet wurde hergestellt, sie ist im Besitz von sechs Bildern ihres Vaters.

Mosler als Portraitmaler

Jedenfalls habe sich herausgestellt, dass Mosler auch in der neuen Heimat Schwalm weiter arbeitete, unter anderem als Porträtmaler. Mehrere Schwälmer Familien hätten bei ihm Arbeiten in Auftrag gegeben, berichtete Gömpel, der sich über Informationen im Zusammenhang mit Raimund Mosler weiterhin freut, Tel. 06691-21562.

Georg Völker ist übrigens nicht der Einzige gewesen, der die Walkmühle erkannte. Abgerissen wurde sie vermutlich Anfang der Sechzigerjahre.

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