Demenz mutig begegnen

Weltgesundheitstag: Martina Dörrbecker will Training für Senioren etablieren

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Selbstständig im Alter: Das verbirgt sich hinter der Abkürzung des Präventionsprogrammes SimA. Kursleiterin Martina Dörrbecker (54) bietet das Training ab Mai für Senioren an. 

Treysa. 40 0000 Menschen erkranken allein in Deutschland jedes Jahr neu an Demenz. Wer sein Gehirn fit halten will, sollte rechtzeitig damit anfangen:

„Und sich nicht nur auf Sudoku und Kreuzworträtsel verlassen“, weiß Martina Dörrbecker, Quartiersmanagerin der Altenhilfe Treysa. Die 54-Jährige möchte für ältere Menschen im Kreis das Präventionsprogramm SimA (Selbstständig im Alter) etablieren. Sie hat sich zur Trainerin fortbilden lassen.

Groß sei die Sorge, an einer Demenz zu erkranken, berichtet die Treysaerin: „Wenn die Erinnerung langsam zerfällt, löst das Angst aus.“ Gegen die Krankheit gibt es kein Heilmittel. Doch Studien legen nahe: Man kann etwas gegen den langsamen Verfall der Hirnleistung unternehmen. Dörrbecker erklärt, dass das Konzept auf die Aktivierung von geistiger und körperlicher Fitness setze. „Wer regelmäßig Körper und Geist fordert, kann Alterserscheinungen bis zu fünf Jahre verzögern.“

Um die Selbstständigkeit in häuslicher Umgebung länger zu erhalten, liege unter anderem ein Schwerpunkt des Konzepts im Training von Schnelligkeit und Reaktion. „Das ist besonders wichtig für die Bewältigung des täglichen Alltags“, erklärt Dörrbecker.

Angesprochen würden im Kurs, der sich an maximal zwölf Teilnehmer richtet, aber auch Themen rund um die Anpassung der Wohnung, beispielsweise wie sich ein barrierefreies Bad realisieren lässt. „Wichtig dabei ist, Senioren die Angst zu nehmen und sie positiv zu motivieren“, verdeutlicht die Quartiersmanagerin. Auch das Bedienen technischer Geräte werde geübt.

Als Baustein nennt Dörrbecker auch die Sturzprophylaxe. Wer Gleichgewicht, Beweglichkeit und Kraft trainiere, verbessere die Körperwahrnehmung. Neben dem Training sollen die Teilnehmer dazu ermutigt werden, Netzwerke aufzubauen. Menschen aus dem Bekanntenkreis, der Nachbarschaft, die regelmäßigen Kontakt halten. „Sich nicht allein zu fühlen, verstärkt das Gefühl von Sicherheit“, ist Dörrbecker überzeugt.

Das Gedächtnistraining soll die Durchblutung des Gehirns nachhaltig verbessern, sie fördert die Bildung neuer Nervenzellenverknüpfungen und steigert die Auffassungsgabe. Dem ernsten Thema nähere sich das Konzept aber auch mit Spaß, sagt die 54-Jährige: „Fantasie und Kreativität sollen ebenfalls angesprochen werden. Beides fördert bei Älteren die gedankliche Flexibilität und Wahrnehmung.“

Martina Dörrbecker möchte das Training künftig ein Mal wöchentlich anbieten, langfristig auch in den Schwalmstädter Ortsteilen und weitere Gruppenleiter ausbilden.

Diakonie initiierte das Programm

Das Programm „SimA“ ist ein Angebot zur Förderung der Denkfähigkeit und der Motorik. Zugrunde liegt das Konzept eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg, beauftragt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 

In der Studie wurde gemessen, ob und in welchem Umfang Therapien beim Erhalt der Selbstständigkeit im höheren Lebensalter helfen können. Die Studienteilnehmer waren zwischen 75 und 93 Jahre alt. Auf die Studie folgte eine Untersuchung in Pflegeheimen, in denen die SimA-Übungen angewandt wurden. 

Die besten Ergebnisse wurden durch ein Programm in Kombination aus Gedächtnis-, Psychomotorik- und Kompetenztraining erzielt. Entwickelt wurde das Programm auf Initiative der Diakonie Dettelsau.

Hintergrund: Vorstellung am 12. April

Die Altenhilfe Treysa stellt mit dem Pflegestützpunkt Homberg und der Vhs Schwalm-Eder am Donnerstag, 12. April, 16 Uhr, im Haus für Gemeinschaftspflege, das Präventionsprogramm SimA vor. 

Es wird zum ersten Mal im Kreis angeboten. Referenten sind Silvia Weidel vom Pflegestützpunkt Homberg und Dr. Jens Zemke, Gerontologe und Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Schwalm-Eder. 

Das alle drei Wochen stattfindende Training wird ab 5. Mai, 15 Uhr, in der Sankt-Martin-Schule stattfinden, Anmeldungen sind über die VHS Homberg möglich. 

Kontakt: Tel. 0 56 81/77 57 75, www.vhs-schwalm-eder.de

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