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Trockenheit: Bundeswehr wappnet sich gegen Flächenbrände

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Von: Sylke Grede

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Besondere Vorsicht beim Schießen: In der vergangenen Woche gab es auf dem Standortübungsplatz infolge einer Schießübung einen Vegetationsbrand. Dank entsprechender Ausrüstung konnten die Soldaten den Brand selbst löschen.
Besondere Vorsicht beim Schießen: In der vergangenen Woche gab es auf dem Standortübungsplatz infolge einer Schießübung einen Vegetationsbrand. Dank entsprechender Ausrüstung konnten die Soldaten den Brand selbst löschen. © Sylke Grede

Wo geschossen wird, fliegen die Funken. Damit die Bundeswehr bei ihren Schießübungen keine Flächenbrände auslöst, sind die Soldaten mit Löschrucksack und Patsche ausgerüstet.

Schwarzenborn – Flammen als Folge der Dürre: Flächenbrände halten aktuell die Feuerwehren in Atem. Auch auf dem Übungsplatz der Knüll-Kaserne ist besondere Vorsicht geboten. Wir stellten Fragen und suchten Antworten zum Thema Schießübungen der Bundeswehr, die aktuell Vegetationsbrände auslösen könnten.

Gibt es noch eine Feuerwehr in der Knüll-Kaserne?

Mit der Umfirmierung des Truppenübungsplatzes zum Standortübungsplatz war auch das Ypsilon auf den Feuerwehrfahrzeugen in der Knüll-Kaserne Geschichte. Es gibt dort keine Bundeswehrfeuerwehr mehr. Seit 2014 stellt die Stadt Schwarzenborn mit einer eigenen Einsatzabteilung den Brandschutz am Bundeswehrstandort sicher. Der Wehrführer der Einsatzabteilung Knüll-Kaserne ist Oberstabsfeldwebel Markus Becker. Er ist nicht nur der dortige Wehrführer, sondern auch der Chef der Feuerwehr im Frielendorfer Ortsteil Linsingen. Ihm stehen im Tagesbetrieb in Schwarzenborn 32 Soldaten und zivile Mitarbeiter als freiwillige Einsatzkräfte zur Verfügung. Ebenfalls bereitstehen seinen Angaben nach zwei Feuerwehrfahrzeuge. Davon ist eins mit Löschwasser ausgestattet.

Unvergessen ist für viele Menschen der Moorbrand im niedersächsischen Meppen im Jahr 2018, der durch eine Bundeswehrübung ausgelöst wurde. Könnte hier Ähnliches passieren?

Nein, meint Markus Becker. Die landschaftlichen Gegebenheiten sind hier andere. Dennoch gebe es ein Waldbrandkonzept, das zusammen mit dem Bundesforst, der erarbeitet wurde.

Kommt es im Schießbetrieb auf dem Standortübungsplatz häufig zu Vegetationsbränden?

Eher selten, sagt der Stabsfeldwebel. Dennoch: Erst in der vergangenen Woche hatte es infolge von Schießübungen einen kleineren Flächenbrand gegeben, der zwar ein größeres Aufgebot an Feuerwehren ausrücken ließ, letztendlich aber bereits von den übenden Soldaten selbst gelöscht werden konnte.

Wird bei Zwischenfällen auf dem Übungsplatz grundsätzlich eine höhere Gefahrenstufe angenommen?

Nicht unbedingt. Nach Meldung des Vorkommnisses an die Leitstelle nach Homberg entscheide diese über Art und Umfang der Alarmierung, erklärt der Kommandeur des Jägerbataillons, Oberstleutnant Sven Kästner. In der vergangenen Woche habe sich die Kreisleitstelle für die Alarmierung mehrere Feuerwehren entschieden.

Was hatte den Brand verursacht?

Geübt wurde mit Munition mit Leuchtspuren. Damit kann die Flugbahn des Geschosses verfolgt werden. Für das Entstehen das Brandes war zudem trockener Grasmulch förderlich.

Sind die Soldaten auf solche Zwischenfälle vorbereitet?

Ja, sagt Markus Becker. Der Brand in der vergangenen Woche konnte bereits vor Eintreffen der Feuerwehr gelöscht werden, weil im Übungsbetrieb Löschrucksäcke vorhanden sind. Das sind Rucksäcke, die mit Wasser gefüllt sind. Vorsorglich dabei hatten die Soldaten auch Feuerwehrpatschen. Das ist ein Stab mit einem breiten, flachen Ende, mit dem Bodenbrände ausgestrichen werden können. Auch sie kamen bei dem Vegetationsfeuer in der vergangenen Woche zum Einsatz – bevor die Feuerwehr eingreifen musste.

Hatte der Vorfall Konsequenzen?

Ja, es gab zunächst keinen Schießbetrieb mehr auf dem Standortübungsplatz.

Wer entscheidet, ob der Schießbetrieb wegen anhaltender Trockenheit stattfinden kann oder eingestellt werden muss?

Der Standortälteste und sein Personal überwachen den Schießbetrieb. Grundsätzlich werde vor jedem Schießen abgewogen, welches Risiko für das Entstehen von Bränden bestehe, so der Kommandeur. Anhaltende Trockenheit ist nur einer der Faktoren, die es zu berücksichtigen gibt. Eine Rolle für die Bewertung einer Schießübung spielen neben der verwendeten Munition auch das Gelände und die Witterung. Bei erhöhter Brandgefahr wird das Schießen untersagt. Regelmäßig komme es witterungsbedingt zum Ausfall von Schießübungen.

Sven Kästner Kommandeur
Sven Kästner Kommandeur © Grede, Sylke
Markus Becker Wehrführer
Markus Becker Wehrführer © Privat

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